Themenspecial Outdoor und Nachhaltigkeit: Graubünden

Gaudenz Thoma, CEO Graubünden Ferien

Gaudenz Thoma, CEO Graubünden Ferien

Interview mit Gaudenz Thoma, CEO Graubünden Ferien

„Probleme entstehen dann, wenn anstelle von Toleranz Egoismus gelebt wird und der respektvolle Umgang mit der Natur über Bord geworfen wird.“

Outdoor-Test: Ist durch den anhaltenden Outdoor-Boom auch ein Anstieg der Outdoor-Sportler/Touristen verbunden? Sind mehr Menschen in der Natur unterwegs? Können Sie dies mit Zahlen belegen?
Gaudenz Thoma: „Gefühlt“, also rein auf unsere Beobachtungen und Rückmeldungen aus den Orten bezogen, auf jeden Fall. Das vielfältige Wander- und Bike-Angebot sowie Klettersteige, Seilparks und weitere Outdoor-Möglichkeiten ziehen immer mehr und vor allem auch immer mehr jüngere Gäste an. In den letzten 10-15 Jahren hat zudem eine zwar langsame aber stete Verlagerung des Gästeaufkommens vom Winter zum Sommer stattgefunden. Die Zahl der Gäste-Ankünfte in Graubünden im Sommer ist zudem seit 2002 von 800.000 um ein Viertel auf rund 1 Million gestiegen.

Outdoor-Test: Ist diese Entwicklung aus Ihrer Sicht problematisch? (z.B. in Bezug auf Ruhezonen der Wildtiere, Müll, etc.)
Gaudenz Thoma: Mit seinen rund 7‘000 Quadratkilometern Fläche ist Graubünden in der glücklichen Lage, über den „größten Freizeitpark der Schweiz“ zu verfügen. Das Gästeaufkommen verteilt sich zudem viel stärker als im Winter. Natürlich Bedarf es auf Anbieterseite der ständigen Aufklärung und Information über Verhaltensregeln in der Natur und vom Gast des entsprechenden Respekts. Bis dahin ist es, soweit uns bekannt, zu keinen nennenswerten Problemen gekommen.

Outdoor-Test: Alle Studien prognostizieren einen weiteren Boom der Outdoor Sportarten. Welche Möglichkeiten/Konzepte sehen Sie, diese Entwicklung in eine unproblematische Richtung zu lenken?
Gaudenz Thoma: Der Langsamverkehr und damit die ganze Outdoor-Thematik sind bei uns auf der behördlichen Ebene mit Fach- und Kompetenzstellen gut dotiert und bereits gut verankert. Graubünden ist zudem ideal in das landesweite Projekt „Schweiz Mobil“ eingebunden, welches von der einheitlichen Signalisation bis zur Angebotsgestaltung und Vermarktung über die Grenzen hinaus Vorbildcharakter hat. Zum Thema Mountainbiking hat die Graubündner Kantonsregierung sogar ein separates, breit abgestütztes und mit rund 3.5 Millionen Franken finanziertes Projekt unter dem Titel graubündenBIKE lanciert. Dieses Projekt verfolgt unter anderem genau das Ziel, die verschiedenen Interessen unter einen Hut zu bringen und eine nachhaltige Entwicklung sicherzustellen.

Outdoor-Test: Welches ist die aus Ihrer Sicht „problematischste“ Outdoor-Aktivität und weshalb?
Gaudenz Thoma: Im Grundsatz erachten wir keine der hier ausgeübten Outdoor-Aktivitäten als problematisch. Probleme entstehen dann, wenn anstelle von Toleranz Egoismus gelebt wird und der respektvolle Umgang mit der Natur über Bord geworfen wird. Hier sehen wir die Anbieter und Tourismusverantwortlichen auf allen Ebenen in der Pflicht. Durch Information und laufende Sensibilisierung können Konflikte bereits vor der Entstehung umgangen werden. Wir meinen, dass dies im großen und ganzen gut klappt.

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