Themenspecial Outdoor und Nachhaltigkeit: DAV

Jörg Ruckriegel, DAV

Jörg Ruckriegel, DAV

Interview mit Jörg Ruckriegel, Ressortleiter Natur- und Umweltschutz Deutscher Alpenverein e.V.

„Dort wo es zu Konflikten mit Natur und Umwelt kommen kann, existieren erprobte Lenkungskonzepte…“

Outdoor-Test: Ist durch den anhaltenden Outdoor-Boom auch ein Anstieg der Outdoor-Sportler/Touristen verbunden? Sind mehr Menschen in der Natur unterwegs? Können Sie dies mit Zahlen belegen?
Die Anzahl der Outdoor-Sportler nimmt tatsächlich zu. Das zeigen schon die wachsenden Mitgliederzahlen beim Deutschen Alpenverein. Am 31.12.2000 hatten wir 632.443 Mitglieder, zehn Jahre später (31.12.2010) waren das 892.875. Im vergangenen Jahr hatten wir bei dieser hohen Mitgliederzahl fast fünf Prozent (4,92%) Wachstum. Auch die Nachfrage nach Ausbildungskursen in den Sektionen des DAV ist in den letzten Jahren deutlich angestiegen.

Outdoor-Test: Ist diese Entwicklung aus Ihrer Sicht problematisch? (z.B. in Bezug auf Ruhezonen der Wildtiere, Müll, etc.)
Der Outdoor-Sport ist grundsätzlich positiv zu bewerten. Wer draußen unterwegs ist, tut etwas für seine Gesundheit und baut ein positives Verhältnis zur Natur auf. Nur so kann auch die Einsicht in die Notwendigkeit von Schutzmaßnahmen entstehen. Problematisch ist die Zunahme von Outdoor-Sportlern nur, wenn sensible Naturräume beeinträchtigt werden oder soziale Konflikte entstehen. Punktuell besteht hier sicher die Gefahr einer Überlastung der Natur. Dann muss gezielt lenkend eingegriffen werden.

Outdoor-Test: Alle Studien prognostizieren einen weiteren Boom der Outdoor Sportarten. Welche Möglichkeiten/Konzepte sehen Sie, diese Entwicklung in eine unproblematische Richtung zu lenken?
Ein Großteil der Outdoor-Sportarten ist an sich eher unproblematisch. Beim Bergwandern ist das Konfliktpotential sehr gering. Dort wo es zu Konflikten mit Natur und Umwelt kommen kann, existieren erprobte Lenkungskonzepte, wie zum Beispiel Kletterkonzeptionen. Im Konfliktfall ist die Bereitschaft aller Beteiligten entscheidend, zu einer gemeinsamen Lösung zu finden. Die Regeln müssen plausibel, differenziert und eindeutig sein und auf allen Ebenen intelligent kommuniziert werden. Bei Outdoorsportlern ist die Bereitschaft zur Rücksichtnahme grundsätzlich sehr hoch.

Outdoor-Test: Welches ist die aus Ihrer Sicht „problematischste“ Outdoor-Aktivität und weshalb?
Problematisch kann jede Outdoor-Aktivität werden, wenn die Regeln eines rücksichtsvollen Mit- und Nebeneinanders in Natur und Umwelt missachtet werden. In der Regel ist es keine Frage der Anzahl oder des Sportgeräts. Entscheidend ist das Verhalten jedes Einzelnen, der draußen unterwegs ist.

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