statusCHECK Nachhaltigkeit: Bergans

Interview mit Christiane Dolva, Bergans

Interview mit Christiane Dolva, Bergans

Zu viele Siegel und Zertifizierungssysteme verwirren den Verbraucher

Interview mit Christiane Dolva, Bergans
Übersetzung: Outdoor-Test.de

Outdoor-Test: Was ist in den letzten 12 Monaten in Bezug auf Nachhaltigkeit in Ihrem Unternehmen passiert?

Christiane Dolva: Bergans hat sich während der letzten 12 Monate darauf konzentriert, unser neues Chemikalien-Management Programm umzusetzen, sowohl mit einer aktualisierten Liste verbotener Chemikalien als auch hinsichtlich einer engeren Zusammenarbeit mit unseren Zulieferern bezüglich des nachhaltigen Umgangs mit Chemikalien. Wir haben darüber hinaus begonnen, Projekte in dem von uns entwickelten Aktionsplan gemeinsam mit Produzenten aus unserer Zulieferkette umzusetzen. Im Rahmen dieser Projekte entwickeln wir im Anschluss an Fabrik-Inspektionen gemeinsam mit unseren Produzenten Pläne mit verschiedenen Verbesserungsmaßnahmen. Auf diese Weise versuchen wir, unsere Zulieferer bei ihrem kontinuierlichen Verbesserungsprozess zu unterstützen.

Wir haben uns darüber hinaus darauf konzentriert, eine CSR Strategie zu entwickeln, die unsere zentralen Arbeitsfelder in Bezug auf Nachhaltigkeit umreißt. Dies war ein wichtiger Schritt in Richtung konkreter Ziele und zu Dingen auf die wir systematisch hinarbeiten können. Unsere zentralen Aufgabengebiete sind bzw. werden sein:

  • Verantwortungsvolle Produkte: Projekte zur nachhaltigen Materialauswahl, nachhaltiges Chemikalien-Management und nachhaltiges Design.
  • Verantwortungsvolle Produktion: die Arbeit mit den Produzenten in unserer Zulieferkette. Wir konzentrieren uns auf Projekte in denen wir zusammen mit unseren Produzenten daran arbeiten, die Nachhaltigkeit in unserer Lieferkette sowohl umwelt-und sozialverträglich zu gewährleisten.
  • Verantwortungsvoller Verkauf: Transport, Logistik, Verpackungsmaterialien und transparente Konsumenten-Information.
  • Verantwortung „zu Hause“: Projekte, die sicherstellen, dass wir die Verantwortung, die wir auch in unseren Firmengebäuden haben, nicht vergessen. Das erreichen wir durch Nachhaltigkeitsprojekte in unseren Stammsitzen, bei denen sich alles um die Themen Entsorgung, Mitarbeiter-Initiativen, Energiemanagement usw. dreht.

Outdoor-Test: Welche nächsten Schritte planen Sie?

Christiane Dolva: Wir haben festgestellt, dass unsere Produktentwicklung, das Design und die Materialauswahl, die wir treffen, bei der Sicherstellung eines nachhaltigen Geschäfts entscheidend sein werden. Die Produktion der Ausgangsmaterialien ist ressourcenintensiv und von einem Nachhaltigkeitsstandpunkt aus betrachtet wird das Finden neuer Materialien, die einen geringeren Umwelteinfluss haben, ein absoluter Kernpunkt in unserem Bestreben nach Nachhaltigkeit. Dies steht zugleich in enger Verbindung zu unserer Qualitätssicherung und den Tests denen wir unsere Textilien in unserem jüngst aufgerüsteten „Test und Technologie Zentrum“ unterziehen. Wir freuen uns darauf, unsere Produktentwickler und Geschäftspartner künftig in Projekte mit nachhaltigen Materialien und Designs einbeziehen zu können.
Ein weiterer wichtiger Teil unserer Nachhaltigkeitsbestrebungen ist die Kooperation mit anderen Mitgliedern der Branche. Wir stehen alle vor den gleichen Herausforderungen und Bergans stellt Ressourcen und Unterstützung zur Verfügung für zahlreiche Initiativen, die sich in den letzten Jahren entwickelt haben, auf internationaler Ebene und auch in Norwegen.

Outdoor-Test: Was waren aus Ihrer Sicht in den letzten 12 Monaten in Bezug auf Nachhaltigkeit wichtige Schritte in der gesamten Outdoorbranche? Was ist versäumt worden?

Christiane Dolva: Die firmenübergreifende Zusammenarbeit ist definitiv ein positiver Schritt für mehr Nachhaltigkeit und ein Beispiel von dem wir denken, dass die Outdoor- und Textil-Industrie andere Industriezweige inspirieren sollte. Der Druck, der von den NGOs kommt und die Resultate die als Reaktion aus der Branche kommen, sind ebenfalls positiv zu bewerten und zeigen eine neue Art der Stakeholder-Beteiligung, die interessante Ergebnisse ergeben könnte.

Was versäumt wurde: Wir glauben, dass es noch einiges zu tun gibt, um Endverbrauchern einfache, transparente Informationen an die Hand zu geben. Es gibt ein Bedürfnis nach greifbaren Informationen, die fundierte Entscheidungen ermöglichen. Es ist noch ein weiter Weg bis zu dem Punkt, an dem Nachhaltigkeit beim Konsumenten ganz einfach in den Kaufentscheidungsprozess mit einfließt. Und es ist wichtig, dass wir als Industriezweig diese Informationen nicht untergehen lassen in zu vielen unterschiedlichen Siegeln und Zertifizierungssystemen, die den Verbraucher schlussendlich nur verwirren.

Outdoor-Test: Was wären aus Ihrer Sicht sinnvolle nächste Schritte?

Christiane Dolva: Die firmenübergreifende Zusammenarbeit aber auch die Zusammenarbeit über den Industriezweig hinweg sollte noch weiter vorangetrieben werden. Auch ist eine Partnerschaft oder Zusammenarbeit mit verantwortungsvollen NGOs, Regierungen und anderen Organisationen wichtig, wenn wir echte Veränderungen erreichen und vorwärts kommen wollen.
Darüber hinaus ist es spannend zu sehen, wie die Industrie auf den Wechsel reagiert von einem stark auf Klima und auf Kohlenstoffdioxid-Ausstoß geprägten Fokussierung in den letzten paar Jahren hin zu einem ganzheitlichen ökologischen Einfluss. Die Anstrengungen im Chemikalien-Management sind bereits seit einiger Zeit ein brennendes Thema und wir glauben, dass es künftig mehr Bemühungen zum Beispiel in Richtung Wasser-Management aber auch andere Messgrößen zur Bewertung des ökologischen Fußabdrucks geben wird.

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