Nachhaltigkeit in der Outdoor-Branche

Outdoor und Nachhaltigkeit

Outdoor und Nachhaltigkeit

Welche Rolle spielt das Konzept der Nachhaltigkeit in der Outdoor-Branche bzw. im Bereich der Outdoor-Aktivitäten?

Die Outdoorbranche boomt, nach wie vor. Ist doch super, könnte man denken, endlich besinnen sich immer mehr Menschen wieder auf Naturerlebnisse, Ruhe und körperliche Grenz-Erfahrungen. Richtig, denken auch wir im ersten Moment. Aber, was bedeutet das denn eigentlich? Das Special „Outdoor und Nachhaltigkeit“ will zwei Aspekte dieser Frage beleuchten: die steigende Produktion von Outdoor-Kleidung und den anscheinend steigenden Naturverbrauch durch immer mehr Outdoor-Sportler.

Der Themenkomplex „Outdoor und Nachhaltigkeit“ rückte im vergangenen Jahr verstärkt durch die Medien in den Fokus der Öffentlichkeit. Der Spiegel titelte im Juli 2010 „Outdoor-Hersteller fallen bei sozialer Verantwortung durch“ und führte aus, dass sich die Outdoor Marken „bei der Art und Weise, wie die teuren Lifestyle-Klamotten hergestellt werden“ kaum von anderen Textilherstellern unterscheiden. Auch die Neue Züricher Zeitung stellte Ende 2010 unter dem Titel „Globale Referenz für Nachhaltigkeit tut Not“ fest, dass sich die Outdoor-Branche nicht ganz uneigennützig für ihre Öko- und Sozialbilanz interessiere. Und die ZEIT fragte provokant: „Lieber nackt als unfair?“. Für den zunehmenden Hype in der Presse ist sicherlich in erster Linie der Outdoor-Boom selbst verantwortlich. Ein weiterer wichtiger Grund ist in der internationalen Kampagne für Saubere Kleidung, in Deutschland vertreten durch die Christliche Initiative Romero (www.ci-romero.de), zu suchen. Neben der überaus aktiven Pressearbeit, schickte CI Romero eine Näherin aus El Salvador auf eine Pressereise durch Deutschland, auf der diese schilderte, unter welchen Bedingungen Outdoor Kleidung in El Salvador produziert wird.

Outdoor-Test beleuchtet mit dem Special „Outdoor und Nachhaltigkeit“ zwei zentrale Fragen:

  1. Stehen Unternehmen, die im Themenbereich „Outdoor“ Geld verdienen, durch ihre besondere Affinität zur Natur unter einem ganz besonderen Druck, das Thema Nachhaltigkeit ernst zu nehmen?
  2. Führt der Outdoor-Boom zu einer tatsächlichen Zunahme von Outdoor-Aktiven und welche Konsequenzen gehen damit einher?
Exkurs: Sustainable Development (nachhaltige Entwicklung)

Das Prinzip der nachhaltigen Entwicklung (sustainable development) bezeichnet eine Entwicklung, die den Bedürfnissen der jetzigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen.

Weiterführende Infos: Nachhaltige Entwicklung

Wie produzieren Outdoor Unternehmen?

Fakt ist, dass die Outdoor-Branche aktuell sehr stark in Bewegung ist und große Anstrengungen unternimmt, ihre Eigeninitiative pressewirksam nach außen zu tragen. Unbestritten hat sich eine große Anzahl von Unternehmen auf den Weg in Richtung einer nachhaltigen, fairen Produktion gemacht. Neben kleineren Anbietern wie z.B. Klättermusen oder Zimtstern, finden sich mittlerweile auch bei den „großen“ Outdoor-Unternehmen Vorreiter. Zu nennen sind hier Wegbereiter der ersten Stunde wie Patagonia, Vaude, Mammut oder Keen.

Eine Transparenz des nachhaltigen Engagements der einzelnen Firmen ist für den Endverbraucher nur begrenzt vorhanden. Dennoch gibt es Firmen, wie die oben genannten, die sich sehr stark in Form von Best Practice-Beispielen um einen dauerhaften Nachhaltigkeitsprozess bemühen und für den Endverbraucher eine Orientierung in Form von Gütesiegeln ermöglich.

Bluesign Gütesiegel und Oeko Tex® Standard 100

Als internationales Label hat sich das bluesign-Gütesiegel in der Outdoorbranche durchgesetzt. Der bluesign Standard nimmt nicht nur das Endprodukt, sondern die gesamte Wertschöpfungskette genau unter die Lupe. Das Zertifizierungsverfahren nimmt die drei tragenden Hauptsäulen der Nachhaltigkeit Ökologie, Ökonomie und Soziales ernst und möchte dadurch Ressourcen, Konsumenten und Arbeitsplätze sichern.

Darüber hinaus findet sich heute in der Outdoorbranche auch das bereits verbreitete Label für Qualitätsstandards der Textilindustrie, Oeko Tex® Standard 100 wieder. In diesem Prüfungsverfahren werden Textilien samt Zusatzprodukten wie Füllmaterialien, Knöpfen oder Reißverschlüssen in Hinblick auf Schadstoffe geprüft.

Ebenfalls erwähnenswert sind firmeninterne Labels, die jedoch meist nur einzelne Aspekte der Nachhaltigkeit ins Zentrum stellen. So werden Recyclingmaßnahmen durch firmeneigene Prozesse in Form von Eco Indices oder Logi an die Bekleidung gebracht oder den Einsatz erneuerbarer Materialien wie Wolle oder Hanf gekennzeichnet. Die Firmen hoffen dadurch auf mehr Glaubwürdigkeit unter den Kunden, eine handelsübergreifende Transparenz wird durch solche Einzelaktionen jedoch leider nicht erreicht.
Wer weitere Informationen zum Thema sucht, wird auf den Webseiten www.fairwear.org sowie www.saubere-kleidung.de fündig.

Eine weitere Möglichkeit findet sich bei der Schweizer Organisation „Erklärung von Bern“ (http://www.evb.ch), die neben einem Einkaufsführer auch die iPhone App „Fair Fashion“ entwickelt haben (gratis im AppStore). Hier findet man zwar kein eindeutiges Entscheidungstool, eine nette Idee und erste Orientierungshilfe ist diese App aber allemal.

Naturverbrauch durch Outdoor-Aktivitäten?

Neben der wichtigen Frage, auf welche Art und Weise produziert wird, interessiert uns ein weiterer Aspekt: der Naturverbrauch durch die Inanspruchnahme der Outdoor-Sportler. Provokant gefragt: Wohin mit unzähligen Rothaaarsteig-, Eifelsteig- und Höhenwegwanderern, Hundertausenden von Transalp-Mountainbikern und immer mehr Schneeschuh- und Skitouren-Gehern? Welche Maßnahmen können den Naturverbrauch regeln, ohne die Natur zur bloßen Kulisse verkommen zu lassen? So griff beispielsweise der Schweizer Tagesanzeiger das Thema auf und titelte: „Sind Schneeschuhwanderer Wildschutz-Hooligans?“

Wir wollten wissen, wie touristische Regionen mit diesem Aspekt umgehen? Haben sie tragfähige, zukunftsträchtige Konzepte entwickelt? Wenn ja, welche? Wie stehen Umweltverbände und Tierschutzorganisationen zu dem Thema? Um ein Beispiel aus der Schweiz zu nennen: Unter www.respektiere-deine-grenzen.ch sind alle Wildruhezonen der Schweiz abrufbar. Schneeschuhgänger und auch Tourengeher können sich informieren und ihre Outdoor-Touren entsprechend planen.

Alexandra Albert ist im Vorstand bei Outdoorlinks e. V. (Verein zur Förderung junger Menschen im Outdoorsport e. V)

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