Testbericht: Rucksack Crux AK 47-X

Widerstandsfähiger Minimalismus

Kletterrucksäcke gibt es viele. Sortiert man aber nach Gewicht, wird ab der 1.200 Gramm-Liga die Luft langsam dünn. Wenn dann noch das Fassungsvolumen in die Kalkulation einfließt, bleibt nur eine Handvoll Produkte übrig die mehr als 35 Liter fassen und dennoch zu den Leichtgewichten zählen. Der Kletterrucksack Crux AK 47-X ist einer von ihnen. Der aus der englischen Schmiede Crux stammende Rucksack orientiert sich laut Firmeninhaber Carol McDermott an dessen erstem Kletterrucksack, dem MacPac Torre aus den frühen 80er Jahren, der ihm vor allem aufgrund seines schnörkellosen Designs nachhaltig im Gedächtnis geblieben ist. Nicht zuletzt deshalb waren wir sehr gespannt und haben den Crux AK 47-X getestet.

 

 Crux AK 47 X BackDer erste Eindruck

Gewicht: 1.185 Gramm (Größe 3)

Trotz seiner Größe und des Fassungsvermögens von 47+5 Litern (Herstellerangabe) wirkt der Crux AK 47-X erstaunlich leicht. Das Gewicht überrascht vor allem deshalb, weil auf die, insbesondere im Kletterbereich gerne eingesetzten, dünnen, leichten, oftmals aber auch empfindlichen Materialien mit Ausnahme des Schneefangs verzichtet wurde. Der Crux AK 47-X spielt mit seinen 1.185 Gramm in derselben Gewichtsklasse wie der rund 15 Liter weniger fassende Black Diamond Demon!

Trotz der Leichtbauweise wurde beim Crux in guter englischer Tradition nicht auf Stabilität verzichtet: Der AK 47-X ist aus Kevlar und Cordura (Keprotec) gefertigt, das Bodenfach ist zur Verstärkung doppelt gearbeitet, der Rucksack ist durch das innen gummierte Material und die getapten Nähte wasserdicht. Ein aus 8 Millimeter Aluminiumrohr gebogener Rahmen sorgt für den nötigen Rückhalt. Dieser Rahmen kann nach Herstellerangaben sogar leicht verformt und so an den eigenen Rücken angepasst werden.

Insgesamt vermittelt der Rucksack durch die eingesetzten Materialien einen sehr hochwertigen, robusten Eindruck. Dieser wird durch das schlichte Design weiter untermauert. Frei nach dem Motto „was nicht dran ist, kann auch nicht kaputt gehen“ sticht der AK 47 durch seine aufgeräumte Optik aus der Masse der Rucksäcke heraus. Genau diesen Effekt hatte McDermott nach eigenen Angaben im Sinn, als er den Rucksack designte. Sein Ziel war es, den heute oftmals überfunktional ausgestatteten Rucksäcken etwas von der Schlichtheit aus den Anfängen des modernen Alpinismus zurückgeben.

 

Größe

Crux AK 47 X SeitenansichtWer braucht einen 80 Liter-Rucksack für eine Bergtour – oder anders gefragt: Wer will so ein Riesending schleppen?

Im Laufe seines Lebens besitzt man als Outdoor-affiner Mensch im Regelfall eine stattliche Anzahl an Rucksäcken. Vom Rucksack, der nur die Trinkblase und ein Paclite-Shell aufnimmt, bis hin zum Riesenrucksack in dem man notfalls auch übernachten könnte ist dabei alles vertreten. Doch um der Wahrheit die Ehre zu geben: die Extreme in dieser Transportpalette braucht man eher selten. Das gesunde Mittelmaß pendelt sich irgendwo zwischen 20 und 45 Litern ein. Groß genug, um Platz für das nötigste zu bieten, aber klein genug, um sich noch bequem transportieren zu lassen – vor allem in den Situationen, wenn der Stauraum nicht vollständig gebraucht wird. So sollte der “ideale” Rucksack sein.

Nach Meinung der Tester ist der AK 47 mit Hinblick auf seine Größe ein solcher Passepartout: Seine wahre Größe spielt er bei voller Beladung aus und kann sein Volumen von 47 Litern notfalls durch die verstellbare Deckeltasche noch einmal um weitere 5 Liter aufstocken. Befindet sich das Gros der transportierten Bekleidung auf dem eigenen Leib, Kletterseile nebst Hardware und Material in der Wand, ist der AK 47-X dank der seitlichen Kompressionsriemen auch halb gefüllt gut zu gebrauchen.

 

Test Crux AK 47 X FrontTragekomfort

Liest man von minimalistischem Design und Ultraleichtrucksäcken, beschleicht einen automatisch das Gefühl, dass dem Gewichtswahn auch der Komfort zum Opfer gefallen sein muss. Doch auch in diesem Punkt enttäuscht der Crux AK 47 nicht: Dank ergonomischer Formgebung sind die eigentlich recht dünn ausgeführten Schultergurte und die Beckenflossen verdrehsicher und passgenau wodurch ein hoher Tragekomfort erreicht wird, selbst unter Volllast. Der herausnehmbare Rahmen im Rückenbereich sorgt für eine hohe Stabilität des Rucksacks und überträgt das Gewicht direkt auf den Hüftgurt. Das feste Rückenpolster stellt einen guten Kontakt zwischen Körper und Traglast her. Wie atmungsaktiv sich das Rückenpolster bei höheren Temperaturen erweisen würde, bleibt im Rahmen unseres Tests im Frühjahr spekulativ. Uns beschleicht jedenfalls der Eindruck, dass der Rucksack eher für gemäßigte Klimazonen gefertigt wurde und nicht unbedingt für die sengende Sonne Südspaniens.

 

Features

Crux AK 47 X  TascheWelche Features erwartet man von einem Kletterrucksack, der für sich selbst den Anspruch erhebt, auf Minimalismus ausgelegt zu sein? Eigentlich keine! Dennoch hat der Crux AK 47-X ein paar Besonderheiten zu bieten, die im Folgenden näher beschrieben werden sollen.

Der Rucksack besitzt seitliche Kompressionsriemen, die neben der komprimierenden Wirkung  auch als Halter für Skier, Gestänge oder andere Ausrüstungsgegenstände fungieren können. Ein Durchrutschen der Gerätschaften nach unten, wird durch die Seitentaschen verhindert. Interessantes Detail: Damit sich in den nach oben offenen Seitentaschen kein Wasser sammelt, sind diese mit einer Metallöse versehen, durch die das Wasser ablaufen kann und sich nicht staut. Unweigerlich fragt man sich, wie stark und lange es regnen muss, damit man diese Funktion zu schätzen lernt.

Im Inneren des Rucksacks befindet sich ein Fach für eine Trinkblase, deren Schlauch (etwas mühsam) durch einen zähen Klettverschluss des Gestängerahmenfachs und eine Auslassöffnung rückenseitig nach außen geführt werden kann. Crux AK 47 X ReepschnurDas Deckelfach ist wasserdicht und mit einem Doppelzipper ausgestattet. An der Unterseite des Rucksacks befindet sich ein Deckelinnenfach, in dem Utensilien wie Dokumente sicher verstaut werden können. Ebenfalls unterseitig des Deckelfachs befinden sich zwei Schlaufen aus Leicht-Nylon, in denen ein dünnes PacLite Shell gerade eben verstaut werden kann. So bleibt das für unseren Geschmack etwas schwache, dafür aber sehr lang ausgeführte Gurtband frei für Seile. Das Deckelfach das AK 47-X ist höhenverstellbar, wodurch der beim Klettern oft störende Deckel einfach ins Rucksackinnere wandern kann, falls der Helm am Deckelfach scheuert. Leider lockerte sich das Deckelfach im Test mehrfach unbeabsichtigt. Test Crux AK 47 XMöglicherweise sind die verwendeten Gurtbänder noch zu neu und glatt und dieses Manko gibt sich mit der Zeit. Vollauf überzeugen konnten uns die Tunnelzüge, die das Hauptfach und den Schneefang verschließen: Hier wurde echte, 4mm starke Reepschnur verwendet, die im Notfall herausgezogen und zweckentfremdet werden kann. Ebenso begeisterte die Trageschlaufe, die sehr großzügig ausgeführt ist und sich selbst mit Fäustlingen bequem greifen lässt. Das Material und die Ausführung ermöglichen es zudem, dass der Rucksack kurzerhand per Karabiner an der Schlaufe aufgehängt wird. Selbstverständlich besitzt der Crux AK 47-X auch Schlaufen für Eisgeräte. Materialschlaufen, zum Beispiel am Beckengurt, sucht man allerdings vergeblich. Diese können und sollen wohl nach individuellem Bedürfnis nachgerüstet werden. Kleine Schlaufen am Beckengurt legen nahe, dass dies herstellerseitig beabsichtigt ist. Das minimalistische Design, der bewusste Verzicht auf zahllose  Schlaufen, Bänder und Kompressionsgummis mag zunächst etwas verwirren, da man sich die Frage stellt, ob man nicht etwas vermissen wird. Fakt ist: Auch wir waren skeptisch, aber verwundert, wie unbeschwert es sich mit “minimal design” lebt.

 

Der Rucksack im Einsatz

Crux AK 47 X MangelNeben einigen Wander- und Klettertouren durfte sich der Crux Rucksack auch im Alltag als Allzweckwaffe bewähren. Die Erfahrungen fielen durchweg positiv aus! Insbesondere gefiel uns der Umstand, dass der Rucksack sehr vielseitig in seiner Größe ist. Bei kleinem Gepäck ist er klein und flexibel, wenn mehr zu transportieren ist, überrascht er durch sein Stauvolumen. Die eingangs erwähnte Bandbreite von 20 bis 45 Liter deckt er unserem Empfinden nach sehr gut ab. Bisher ist nur ein minimaler Defekt aufgetreten: Das Plastik-Endstück einer Gummi-Kordel ist gebrochen. Normalerweise unterliegt der Rucksack einer uneingeschränkten Herstellergarantie, auf Nachfrage, ob dieses Teil als Ersatz zur Verfügung steht, wurden wir jedoch enttäuscht. Laut Carol McDermott ist ihm dieser Defekt in zehn Jahren und rund 10.000 verkauften Rucksäcken bisher nur drei Mal untergekommen. Dadurch fühlen wir uns zwar nicht unbedingt als Glückspilze, sind aber fast ein bisschen stolz, dass überhaupt etwas kaputt gegangen ist, zumal zahlreiche Rezensionen dem Produkt bescheinigen “bombproof” zu sein. Bei uns warf dieser Defekt die Frage auf, ob die übrigen eingesetzten Plastikteile eine Schwachstelle an einem ansonsten stark auf Haltbarkeit getrimmten Produkt darstellen. Für noch mehr Widerstandsfähigkeit könnte man anfällige Teile, wie zum Beispiel die kleinen ovalen Ringe, durch die der Seitenkompressionsriemen läuft, in Metall ausführen.

 

Fazit
Crux AK 47 X TestergebnisEs gibt Produkte, die durch hochwertige Verarbeitung, minimalistisches Design und durchdachte Features bestechen. Doch viele dieser Produkte werden nicht von den Menschen wahrgenommen, für die sie gemacht sind. Das mag verschiedene Gründe haben. Einer ist sicherlich in der Höhe des Marketingbudgets zu suchen. Bei der Kaufentscheidung sollte jeder Käufer vielmehr seinen eigenen Bedarf auf die Probe stellen, das Produkt für sich selbst sprechen lassen und erst dann seine Kaufentscheidung fällen.
Der Crux AK 47-X ist auf jeden Fall ein Produkt, das beim nächsten Rucksack-Kauf einer näheren Begutachtung lohnt. Für sich selbst sprechen kann dieser Rucksack wie kaum ein zweiter. Das minimalistische Design, der bewusste Ausstattungsverzicht mag zunächst enttäuschen, doch letztlich werden durch den Verzicht erst neue Möglichkeiten geschaffen, den eigenen Rucksack individuell an die Erfordernisse im Outdoor-Einsatz anzupassen.
Ob der Rucksack den Herausforderungen eines langen Outdoor-Lebens dauerhaft gewachsen ist, wird sich zeigen müssen. Nach unseren intensiven Testerfahrungen sind wir allerdings vorsichtig optimistisch gestimmt, dass dieser Rucksack analog zu seinem russischen Namensspender das Zeug zu einem unverwüstlichen Klassiker hat. Sollten sich doch Defekte zeigen, bietet Crux eine lebenslange Garantie auf Material und Verarbeitung.

Der für den alpinen Einsatz gedachte Crux AK 47-X ist in drei Größen und ausschließlich in der Farbe Rot zum UVP von €220,- erhältlich. Wer sich für den Rucksack interessiert, aber auf das verstellbare Deckelfach verzichten kann, sollte sich den ansonsten identischen AK 47 (Graphit) ansehen, oder zum kleineren AK 37 greifen, der allerdings nur in einer Einheitsgröße verfügbar ist.

 

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