Test: Medion GoPal S3647

Günstiges Hybridnavi von Medion im Test

Das Medion GoPal 3647 erreichte 2/5 Sternen bei Outdoor-Test.de

Das Medion GoPal 3647 erreichte 2/5 Sternen bei Outdoor-Test.de.

Kann ein preisgünstiges Navigationsgerät mit den zum Teil deutlich teureren Mitbewerbern konkurrieren? Ende März stellte Medion mit dem GoPal S3647 bzw. dem Medion GoPal S3747 eine neue CrossRoad-Geräteserie vor, die die Funktionalität der KFZ-Navis mit der robusten Vielseitigkeit von Outdoor-Navigationsgeräten verbinden soll. Medion wagte mit diesem Kombinationsgerät den Brückenschlag zwischen zwei Anforderungsbereichen, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Während die automobile Navigation bereits weitestgehend ausgereift ist, beginnt die Outdoor-Navigation erst langsam ihr Nischendasein aufzugeben und den Schritt in Richtung des gemäßigten Outdoorsportlers zu wagen. Hier kommen gerade in der jüngeren Zeit Outdoor-Navigationsgeräte auf den Markt, die in puncto Leistung und Nutzerfreundlichkeit den Auto-Navis in nichts nachstehen.

Medion begegnet diesem Trend mit der Geräteserie CrossRoad und schickt damit Kombigeräte ins Rennen, die als ausgewiesenes „Hybridnavi“ beides sein wollen: Outdoor-Navigationsgerät für Wanderer und Radfahrer sowie „normales“ Navi für Autofahrer und Motorradfahrer. Outdoor-test.de hat den Test gemacht und das Medion GoPal S3647 ausprobiert.

Der erste Eindruck

Das Medion GoPal S3647 erweckt auf den ersten Blick leider keinen hochwertigen Eindruck. Das Gehäuse besteht aus bruchgefährdetem Hartplastik. Der Bildschirm erscheint mit 3,5 Zoll relativ klein – verglichen mit anderen KFZ-Navis. Outdoor-Navigationsgeräte warten mit gleicher, oder kleinerer Displaygröße auf. Das Display hat eine Auflösung von 320 x 240 Pixeln, ist nicht kratzfest und wölbt sich leicht nach innen.

Insgesamt erwecken allenfalls die Gummiabdeckungen des USB 2.0-Anschlusses und der gummierte Ein/Aus-Schalter den Anschein, als wenn es sich hier um ein Outdoor-Gerät handeln würde. Dieser Schutz ist mit einem sehr dünnen Gummistück fest mit dem Gehäuse verbunden und erweckt den Eindruck, als ob diese Verbindung nicht für die Ewigkeit halten wird.

Ein gummiertes, stoßfestes Gehäuse sucht man vergeblich, weshalb das Gerät mit seinen rund 190 Gramm nicht besonders rutschfest in der Hand liegt. Optisch orientiert sich das Medion-Navi also eher an den KFZ-Navigationsgeräten.

Lieferumfang

Lieferumfang des Medion GoPal 3647

Lieferumfang des Medion GoPal 3647

Das Medion GoPal S3647 kommt mit einem Schwanenhalshalter für den Fahrradlenker, einem Schwanenhalshalter mit Saugnapf für die Autoscheibe. Während ersterer dank gummierter Distanzstücke spiel- und wackelfrei montierbar ist, neigt der Scheibenhalter dazu, sich bisweilen von der Windschutzscheibe zu verabschieden. Zum Lieferumfang gehören außerdem ein USB-Kabel, über das das Gerät am PC geladen werden kann und ein Ladekabel für den Zigarettenanzünder im Auto. Zur Montage am Fahrradlenker findet sich ein beiliegender Inbusschlüssel, eine Ersatzsicherung für das KFZ-Ladekabel liegt ebenfalls bei.
 
 

Inbetriebnahme und Menüführung

Nachdem der Akku eingesetzt wurde muss die Rückwand verschlossen werden. Dazu wird die Bügelmutter mit Hilfe eines Schlitzschraubendrehers oder werkzeuglos mit der Hand festgedreht. Der Akku wird dabei durch eine gummierte Dichtlippe vor Feuchtigkeit geschützt.Das Gerät benötigte im Test 35 Sekunden bis zur ersten Nutzereingabe: Hier muss zunächst die Auswahl zwischen Autonavigation und Outdoor-Navigation getroffen werden. Nach der Auswahl vergehen, unabhängig vom gewählten Modus, weitere 18 Sekunden, bis das Gerät (nach der Einblendung eines Warnhinweises) eingabebereit ist.

Das Touchdisplay spricht insgesamt schlecht an. Im Test fiel als besonders störend auf, dass der Quittungston für erfolgte Eingaben auch dann ertönt, wenn die Eingabe vom Gerät nicht angenommen wurde. Zudem spricht das Medion GoPal S3747 teilweise überaus langsam an, Reaktionszeiten bis zu 10 Sekunden nach einem Tastendruck (z.B. Auswahl der Zielstadt) konnten festgestellt werden.Die Menüpunkte präsentieren sich als ein buntes Potpourri aus deutsch und englisch.

Zusatzmenüpunkte

Das Medion GoPal S3647 verfügt über einige Zusatzfunktionen. So kann zum Beispiel das installierte Sudoku-Programm manch verregneten Tag zumindest teilweise retten. Der außerdem vorhandene Picture Viewer ermöglicht das Betrachten der gemachten Reisebilder auf dem Gerätedisplay. Dazu muss lediglich die SD Karte in das Medion GoPal eingelegt und das Betrachtungsprogramm gestartet werden, schon werden die Bilder als Diashow abgespielt.Zudem verfügt das Medion GoPal S3647 über einen integrierten Travel Guide (Reiseführer). Die Suchfunktion erweist sich dabei leider als nicht sehr hilfreich: generell bestehen die Optionen der Auswahl eines Points of Interest (PoI) über Kategorien oder aber eine Freitextsuche. Allerdings wurden den jeweiligen Lokalitäten offenbar zu wenige Schlagworte (tags) mitgegeben, so dass sie mit der Suchfunktion nur schwer auffindbar sind.

Der Travel Guide basiert auf den Daten des Drittanbieters Merian scout. Leider erweisen sich die eingetragenen Points of Interest teilweise als stark veraltet. Hier hat offenbar seit längerer Zeit keine Überprüfung mehr stattgefunden. Die vorhandenen, noch aktuellen Einträge sind dafür jedoch sehr detailliert und ohne Probleme als Navigationsziel auswählbar.

Positiv ist zu bewerten, dass das Reiseführer-Menü über Daten von einer MicroSD-Karte erweiterbar ist. So kann individuellen Vorlieben der Reisenden begegnet werden. Der Steckplatz für die MicroSD-Karte befindet sich im Akkufach auf der Rückseite, unterhalb des Akkus.

Outdoor-Navigation

Testergebnis Medion GoPal_3647

Testergebnis Medion GoPal_3647

Das Medion GoPal S3647 kommt mit vorinstalliertem Kartenmaterial für Deutschland, Österreich und die Schweiz (DACH) im Maßstab 1:100.000. Für exaktes Navigieren im Outdoorbereich ist diese Auflösung jedoch nicht ausreichend. Deshalb liegt dem Navi ein Gutschein über detailliertere Kartenausschnitte im Maßstab 1:25.000 bei. Um diesen Gutschein einlösen zu können ist eine Registrierung beim spanischen Kartenanbieter Compe GPS nötig. Es wird ein vollständiger Adressdatensatz inklusive Telefonnummer abgefragt. Die Website ist auf englisch.

Der anschließende Auswahlvorgang des gewünschten Kartenmaterials ist nicht übermäßig intuitiv, kann aber durch ein wenig Herumprobieren auch von weniger erfahrenen Nutzern bewerkstelligt werden. Über die Adresseingabe (ähnlich Google Maps) wird ein Kartenausschnitt mit einem Rasteroverlay angezeigt. Es besteht nun die Möglichkeit einzelne Rasterquadrate in den Warenkorb zu legen und zu erwerben. Die anschließende Bestätigungsmail wird nur in den Sprachen Englisch, Spanisch oder Französisch versendet.Bevor die gewählten Detailkarten heruntergeladen werden können, erfolgt in der Mail zunächst die Aufforderung, eine „Basiskarte“ herunterzuladen. Dateigröße: 929 MB! Warum diese nicht bereits auf dem Gerät vorinstalliert ist, ist unklar. Erst danach können über einige Zwischenschritte die Detailkarten heruntergeladen werden. Die Ausschnitte benötigen jeweils zwischen 7 und 11MB Speicherkapazität und werden über den PC in einen bestimmten Ordner auf dem Navi kopiert. (Ein USB-Lade-/Verbindungskabel liegt bei).Der gesamte Vorgang mit Registrierung und Installation ist überaus langwierig und bedarf einiger Erfahrung und Geduld auf Seiten des Nutzers. Hier sollte herstellerseitig dringend nachgebessert werden!

Auto-/Motorradnavigation

Das Medion GoPal S3647 greift für die Auto- und Motorradnavigation auf die bewährte Navigationssoftware zurück. Dementsprechend gibt es hier keine Beanstandungen. Die Ansagen kommen rechtzeitig und schließen neuerdings auch die Ansage der Straßennamen mit ein. Vorbildlich auch, dass über die Voreinstellung die kürzeste, schnellste oder ökonomischste Strecke gewählt werden kann. Viele Mitbewerber bieten hier nur die Auswahl zwischen kürzester und schnellster Route.

Der Warnhinweis, das Gerät nicht während der Fahrt zu bedienen ist bei längerer Nutzung etwas störend. Es wäre wünschenswert, wenn dieser Hinweis abschaltbar wäre.

Problematisch gestaltet sich die Sprachansage: Die Stimme ist blechern und in der lautesten Stufe eindeutig zu laut, auf der zweitstärksten Stufe aber zu leise und unter den üblichen Fahrgeräuschen kaum wahrnehmbar. Hier besteht daher ebenfalls Verbesserungsbedarf.

Das Medion GoPal 3647 wird zusätzlich durch eine Schraube im Halter gesichert.

Motorradfahrer können sich via Bluetooth-Headset mit dem Navigationsgerät verbinden. Einen (zugegebenermaßen nicht mehr ganz zeitgemäßen) Kopfhöreranschluss gibt es nicht. Für Motorradfahrer bieten die CrossRoad Navigationssysteme etwa 100 vorinstallierte Motorradrouten und spezielle Points of Interest. Das Medion GoPal S3747 soll zusätzlich über einen speziellen Motorradmodus verfügen, der Biker auch abseits der Autobahn auf besonderen „Motorrad-Routen“ navigieren soll.

Beim getesteten Medion GoPal S3647 erwies sich der Zugang zu den Motorradstrecken jedoch als problematisch. Zwar sind die Strecken über den Menüpunkt „Routenmanager“ leicht im Gerät auffindbar, jedoch sind die Routen weitestgehend nutzlos, da sie keinerlei ortsbezogene Auswahl zulassen. Der Biker hat nur die Auswahl zwischen den unterschiedlichen Routen, die mit Länge, Höhenangaben und Anstiegen versehen im Navi hinterlegt sind. Ein Angebot von Routenempfehlungen rund um den aktuellen Standort, z.B. bei einem Motorradurlaub in der Eifel ist nicht vorgesehen. Eine Suchfunktion, die auf der Strecke liegende Städte ausfindig macht, fehlt ebenso, wie eine sinnvolle Benennung der Strecken. Unter dem Titel Andreasberg – Schloss Waldeck vermögen sich geografisch bewanderte Nutzer noch etwas vorzustellen, wo jedoch der Unterschied zwischen Deutschlandroute Etappe 1 und Deutschlandroute Etappe 2 liegt, lässt sich nur durch ansehen jeder einzelnen Route feststellen (Erstere führt von Köln bis in den Harz, Etappe 2 schließt hier an und führt vom Harz bis nach Saalfeld an der Saale).

Fazit

Das Medion GoPal S3647 ist ein günstiges Gerät und vor allem für Personen geeignet, die eher selten auf Outdoor-Navigation angewiesen sind, also gelegentlich kleinere Radtouren oder Wanderausflüge machen und sich dafür kein separates Gerät anschaffen möchten. Aufgrund der äußeren Beschaffenheit, dem Kartenmaterial und den Schwächen in der Dateneingabe sollten sich fortgeschrittene Nutzer mit einem höheren Anspruch an Outdoor-Navigation die Anschaffung gründlich überlegen. Wer nur auf der Suche nach einem Navigationsgerät für das Auto ist, findet auch beim Hersteller Medion zahlreiche bessere Alternativen mit größerem Display und zusätzlichen Ausstattungsmerkmalen wie zum Beispiel Stauwarnsystem (TCM), auf die man bei dem Medion GoPal S3647 verzichten muss.

Die neuen CrossRoad Navigationssysteme Medion GoPal S3647 und Medion GoPal S3747 sind ab sofort für UVP 279,00 € bzw. 329,00 € erhältlich.

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Weitere Informationen und Produkte: www.medion.com/de/electronics/

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