Test: Ladegerät MyFCPowerTrekk | Outdoor-Test

Test: Ladegerät MyFC PowerTrekk

Strom aus Wasser und Salz

Die Abhängigkeit von elektronischen Hilfsmitteln ist längst auch in der Outdoor-Welt angekommen. Kaum jemand macht sich noch mit analogem Kartenmaterial auf den Weg – wozu auch, denn klein, leicht und allwissend passt das Handy in MyFC-PowerTrekk jede Jackentasche. Blöd nur, wenn fernab von Heim und Steckdose unterwegs langsam, aber sicher der Akku schlappmacht. Nun ist guter Rat teuer, wenn eine Lademöglichkeit weit und breit nicht in Sicht ist. Dieses Problems hat sich der schwedische Hersteller MyFC angenommen und stellt mit dem PowerTrekk ein Ladegerät vor, das Strom aus Wasser und Salz gewinnen soll. Dieses vermeintliche Perpetuum mobile haben wir uns ein wenig genauer angeschaut.

Unboxing:

Das PowerTrekk kommt mit vier Ladeadaptern, einem USB Verbindungskabel, einem feuerfesten Aufbewahrungsbeutel, zwei Salzkapseln und der Bedienungsanleitung bei uns an. Das rund 370 Gramm schwere Gerät ist schnell ausgepackt und startklar gemacht.

Grüner Strom?

PowerTrekk-geöffnetUm mit dem PowerTrekk Strom produzieren zu können, nimmt man zunächst den modisch grünen Deckel ab, der zugleich den internen Akku des Geräts enthält. Der Deckel ist mit zwei seitlich angebrachten, schwarzen Klammern befestigt, die sicher sitzen, sich aber einfach lösen lassen. Darunter kommen zwei „Kammern“ zum Vorschein, eine offenbar für das Wasser, in die andere soll die Salzkapsel eingelegt werden. Das Wasserreservoir ist doppelt verschlossen: zunächst ist ein Plastik-Clip zu öffnen, darunter kommt erst das eigentliche Wasserreservoir  zum Vorschein, das noch einmal mit einem kleinen Deckel (Bajonettverschluss) versehen ist. Circa eine Viertel Umdrehung gegen den Uhrzeigersinn gedreht lässt sich der Bajonettverschluss leicht öffnen. Der Hersteller empfiehlt nun, das Reservoir vollständig zu füllen. Eine Füllstandsmarkierung oder Mengenangabe gibt es nicht. Wir würden empfehlen, eher einen Teelöffel zum Befüllen zu verwenden, eine Flasche dosiert einfach zu ungenau. Es passen circa zwei Teelöffel Wasser in das Gerät. Nach dem Einfüllen ist der Deckel wieder aufzusetzen und eröffnet das erste Problem: Der Hersteller weist darauf hin, dass man den Deckel verschließen sollte, ohne Wasser austreten zu lassen – hierfür wäre eine Füllstandsmarkierung wirklich praktisch, denn natürlich haben wir etwas zu viel Wasser eingefüllt. PowerTrekk-geschlossen_TankNachdem das MyFCPowerTrekk abgetrocknet ist, geht es weiter: Deckel verschließen, Clip bis zum Einrasten aufdrücken. Das Einlegen der Salzkapsel (Puck) ist sehr einfach: Mit der beschrifteten Seite legt man den Puck in die vorgesehene Halterung, von unten durchsticht eine Art Nadel das Bodengummi. Auf der Oberseite ist noch das Siegel zu entfernen, danach kann man das Gerät einfach verschließen. Binnen ca. einer Minute beginnt die grüne LED zu blinken, das Gerät zischt einige Sekunden leise. Anschließend zeigen die seitlichen Lade-LEDs an, dass der Deckelakku geladen wird. Es scheint tatsächlich Strom produziert zu werden! Während der Stromgewinnung macht das Gerät keine weiteren Geräusche, allerdings wird das Gehäuse im Bereich der Salzkapsel leicht warm und das Ladegerät verströmt einen klar wahrnehmbaren Geruch.
PowerTrekk-Handy

Laden mit dem MyFCPowerTrekk

Das Aufladen eines Geräts ist sehr leicht. Man verbindet den für sein Gerät passenden Ladeadapter mit dem mitgelieferten USB-Kabel. Die eine Seite wird in das zu ladende Gerät (im Test: Handy Nexus 4) gesteckt, die andere in den USB-Anschluss des PowerTrekk. Anschließend drückt man die seitliche Ladetaste und das Gerät startet den Ladevorgang. Das PowerTrekk schaltet automatisch ab, wenn der Akku voll geladen ist oder das zu ladende Gerät vom PowerTrekk getrennt wird. In beiden Fällen wird die gewonnene Energie im internen Akku des PowerTrekk für später gespeichert.

Nützliche Zusatzfunktion: Das MyFCPowerTrekk kann auch als „normaler“ Akkupack über Mini-USB über z.B. einen Laptop geladen werden. In diesem Fall sind Salzpuck und Wasser nicht notwendig.

Testurteil MyFCPowerTrekk

Grundsätzlich ist es eine gute Idee, umweltfreundlich Strom aus Salz und Wasser zu gewinnen. Hier liegt allerdings schon der zentrale Knackpunkt des MyFCPowerTrekk: Pro Ladevorgang ist ein kompletter Salzpuck notwendig. Dieser besteht aus Aluminium, was in der Herstellung nicht unbedingt für seine Umweltfreundlichkeit bekannt ist. Natürlich lässt sich das Material recyceln. Insgesamt fühlt man sich an das Nespresso-System erinnert, nicht zuletzt auch wegen des Preises: Ein Salzpuck, der für eine Ladung von 1.500 mAh ausreicht, kostet im Handel etwa sechs Euro. Laut Hersteller soll das Gerät nicht zu lange ungenutzt herumstehen und empfiehlt einen Ladevorgang alle vier Monate. Daraus ergeben sich bereits Kosten von 24Euro pro Jahr. Auch der unverbindliche Verkaufspreis des MyFCPowerTrekk schreckt ab: das Gerät schlägt mit einer UVP von €210,- ein ordentliches Loch in die Reisekasse.

Fazit

Auch wenn das MyFCPowerTrekk mit einem grünen Deckel und dem scheinbaren Image einer umweltfreundlichen Brennstoffzelle daherkommt, überwiegen doch deutlich die negativen Eigenschaften: Ein hoher Anschaffungspreis und hohe Unterhaltungskosten stehen bei einer schlechten Umweltbilanz MyFC-PowerTrekkeiner geringen Stromausbeute gegenüber, die im Zweifel nicht einmal ausreichend ist, um ein modernes Smartphone vollständig zu laden.
Der Einsatzzweck sollte nur für eine sehr kleine Zielgruppe interessant sein, denn mittlerweile sind kleine, leichte Akkupacks, Solarladegeräte oder echte Brennstoffzellengeräte am Markt erhältlich, die allesamt dasselbe Marktsegment bedienen, sich jedoch deutlich
kostenextensiver aufstellen. Immerhin lässt sich das MyFCPowerTrekk Ladegerät auch wie ein Akkupack per USB-Buchse aufladen und nutzen, wenn auch die Ladekapazität und das Gewicht anderer Produkte attraktiver sein dürften. 1,5 von 5 Sternen.

 

 

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