Test: Gerber Dime Multitool | Outdoor-Test

Test: Gerber Dime Multitool

Multi-Mini-Hosentaschenzwerg goes MacGyver 2k15?

Multitools jeder couleur liegen im Trend, seit der urbane Eskapismus die Massen erreicht hat. Der Hauch von Outdoor und Abenteuerlust umweht diese kleinen Universaltalente, und soll ein wenig auf ihre Besitzer abfärben. Trotz dieser – nicht ganz vorurteilsfreien – Charakterisierung ihrer Träger kommt man allerdings nicht ganz umhin, den Multitools einen praktischen Nutzen und technisch aufgefeiltes Know-how zuzugestehen: Auf kleinstem Raum werden neben (mindestens) einem MesserGerber Dime Multitool allerlei Werkzeuge untergebracht, die ausgeklappt einen kleinen Hobbywerkzeugkoffer ersetzen könnten. Während das Leatherman Farm-Tool es auch gewichtsmäßig durchaus mit einem bestückten Werkzeugkoffer aufnehmen könnte, geht der US-amerikanische Messer und Multitool-Hersteller Gerber mit dem Gerber Dime einen entgegengesetzten Weg und bringt ein Multitool für den Schlüsselbund auf den Markt. Der winzige Multifunktionshelfer kann mit 10 ausklappbaren Werkzeugen aufwarten und ist mit seiner Größe von sieben Zentimetern Länge, zwei Zentimetern Breite und einer Dicke von 1,3 cm ein echtes Mini-Multitool. Das Gewicht gibt der Hersteller mit 62,4 Gramm an. Damit spielt es in einer Liga mit dem Leatherman Squirt.

Wir haben uns den Hosentaschenzwerg von Gerber genauer betrachtet und stellen das Gerber Dime Multitool ausführlich vor.

Der erste Eindruck

Entnimmt man das Gerber Dime der Verpackung, überrascht zunächst die kompakte Größe: Das Micro-Multitool ist wirklich sehr klein! Augenfällig ist der abstehende Flaschenöffner, der allzeit griffbereit ist, auch bei geschlossenem Werkzeug. Der Kapselheber muss also nicht erst umständlich ausgeklappt werden sondern ist immer sofort zur Hand. Die zweifarbigen Griffschalen – bei unserem Testmuster rot/anthrazit –

Ein kleiner Grat verhindert die einwandfreie Klappfunktion der Klinge.

Ein kleiner Grat verhindert die einwandfreie Klappfunktion der Klinge.

sind fein matt gestrahlt und eloxiert. Es steht zu erwarten, dass sie sich im längeren Gebrauch etwas abreiben und dem kleinen Helfer so ein individuelles Gepräge geben. Durch die geprägten Griffschalen und das „schräge“ Design kommt das Gerber Dime etwas sportlicher daher als das Leatherman Squirt mit seiner sehr klaren, geometrischen Optik. Das Gerber Dime ist komplett verschraubt und lässt sich unter Verwendung kleiner Torx-Schraubendreher komplett zerlegen. Ein klarer Vorteil, wenn es um Reinigung oder Ersatz der Werkzeuge geht. Apropos Ersatz: Gerber gibt eine 25-jährige Garantie auf das Multitool.

Tools für den Alltag?

Das Gerber Dime ist mit 8 Tools ausgestattet, die 11 Funktionen auf sich vereinen:

  • Messerklinge

Die „feine Klinge“ ist zwar mit einer 3,5 Zentimeter langen Schneide nicht besonders groß, Pakete, Briefe und allerlei Kleinigkeiten lassen sich mit ihr jedoch sehr gut öffnen. Die Klinge ist zudem sehr scharf. Ein Wehrmutstropfen bleibt: An unserem Testmuster befindet sich ein kleiner Grat im Bereich der Klappfunktion, dadurch ist der Mechanismus etwas schwergängig (siehe auch Update unten!).

  • Zange

Die Zange mit integriertem Drahtschneider schließt sehr präzise. Die geriffelten Greifflächen packen gut zu. Der Drahtschneider ist leider allenfalls für dünnen Kupferdraht zu verwenden, ein 1,5mm dünner Edelstahl-Bowdenzug vom Fahrrad stellt das Minitool vor eine unlösbare Herausforderung.

Die Zange greift sauber und präzise. Der integrierte Drahtschneider ist nur für dünne, weiche Drähte geeignet.

Die Zange greift sauber und präzise. Der integrierte Drahtschneider ist nur für dünne, weiche Drähte geeignet.

Der Draht wird nur gequetscht, wahrscheinlich als Resultat des Öffnungswinkels in Kombination mit der kurzen Schneide. Praktisch: Die Zange ist federgelagert und öffnet sich automatisch.

  • Schere

Die Schere schneidet sauber und zuverlässig Papier und dünnes Plastik, auch sie öffnet automatisch – hier gibt es nichts zu meckern.

  • Feile

Die Feile, einmal mit Kreuzhieb, einmal mit Parallelhieb ist weitestgehend nutzlos. Der hieb ist relativ grob und stumpf. Zudem ist die Feile mit nutzbaren 1,2cm Länge deutlich zu kurz.

  • Schraubendreher

Ein kleiner und ein großer Schlitzschraubendreher finden sich ebenfalls am Gerber Dime. Aufgrund der spitz zulaufenden Schneidenform des kleinen Schraubendrehers kann dieser auch für Kreuzschlitz-Schrauben verwendet werden.

  • Flaschenöffner

Unser geheimer Favorit und wohl neben dem Messer die wahre Daseinsberechtigung für Multitools: Der Kapselheber. Mit der breiten Form fällt es deutlich leichter als mit einem schmalen Standard-Taschenmesser-Öffner den Kronkorken abzuheben. Dass der Flaschenöffner zudem nicht extra ausgeklappt werden muss, ist für uns ein zusätzliches Plus.

  • Pinzette

Die Pinzette ist seitlich in der Griffschale versenkt, wie man es von den Schweizer Messern kennt. Aus unserer Sicht kann die Zange dank der präzisen Schneiden ebenso gut als Pinzette herhalten. Insofern dürfte auf die kleine und etwas instabile Pinzette gerne verzichtet werden.

Die kleine Feile hat nahezu keine Funktion: Zu klein und nicht scharf genug, um damit etwas anzufangen.

Die kleine Feile hat nahezu keine Funktion: Zu klein und nicht scharf genug, um damit etwas anzufangen.

  • Universalöffner

Der sogenannte „Universalöffner“ dient zum Abisolieren von Kabeln und als Universalhebel für alle Dinge, für die die Klinge zu scharf oder zu schade wäre. Es ist uns allerdings nicht gelungen, damit eine Dose zu öffnen, insofern ist der Universalöffner zwar vielseitig verwendbar, aber kein Zauberstab, der wirklich alles öffnet.

 

Fazit

Das Gerber Dime ist trotz aller Kritik ein erstaunlich wertiges (siehe Update unten!) Kraftpaket, das sich als nützliches Helferlein in alltäglichen Mini-Katastrophen entpuppt. Durch die sehr geringe Größe trägt das Multitool selbst in der Anzughose nicht zu sehr auf und lässt sich dank des kleinen Schlüsselrings problemlos am Schlüsselbund befestigen – wofür es laut Hersteller auch gedacht ist. Die Auswahl der Werkzeuge ist diskutabel, aus unserer Sicht hätte statt der Pinzette ein Korkenzieher gerne seinen Platz am Dime finden dürfen. Insgesamt ist das Multitool – abgesehen von der Feile – ein gelungenes Werkzeug, dass sich mit Rücksicht auf seine Größe gut benutzen lässt.
Den heimischen Werkzeugkoffer wird das Gerber Dime zwar nicht überflüssig machen, aber die kleinen „Oh-shit“-Momente des Alltags lassen sich damit gut meistern. Von der Paketöffnung über „mal eben was abschneiden“ bis zu Feinmechanikerarbeiten tut das Werkzeug seinen Dienst. Der allzeit bereite Kapselheber (Flaschenöffner) ist für uns der heimliche Star des Tools und macht das Gerber Dime zum Helden jeder Gartenparty. Für einen ernsthaften Outdoor-Einsatz ist das Micro-Tool jedoch nicht zu empfehlen.

Das Gerber Dime ist zum UVP von €39,99 in den Farbstellungen purple, anthrazit-grün, anthrazit-rot und neuerdings auch als Dime Travel in komplett schwarz (mit Zipper-Haken statt Universalöffner) zu haben.

Update

Nach einigen Wochen des Gebrauchs hat sich leider die Klinge verabschiedet, oder besser gesagt: Der Anschlag der Messerklinge hält nicht mehr. Die Messerklinge steht nun nach hinten geneigt, die Klinge ist lose und ist damit unbenutzbar. Nachträglich ist das Gerber Dime Multitool somit durchgefallen.

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