statusCHECK Nachhaltigkeit: Christliche Initiative Romero

Pilotprojekte zur schrittweisen Anhebung von Löhnen sind sinnvoll

Interview mit Kirsten Clodius, Sprecherin der Christlichen Initiative Romero

Kirsten Clodius, Sprecherin der Christlichen Initiative Romero

Kirsten Clodius, Sprecherin der Christlichen Initiative Romero

Outdoor-Test: Was waren aus Ihrer Sicht in den letzten 12 Monaten in Bezug auf Nachhaltigkeit wichtige Schritte in der Outdoorbranche? Was ist versäumt worden?

Kirsten Clodius: Seit dem letzten Jahr sind noch die Unternehmen Haglöfs und Deuter Mitglied der Fair Wear Foundation geworden, das begrüßen wir natürlich. Weiterhin wurde deutlich, dass die Outdoor-Unternehmen die Wichtigkeit anerkennen, sich mit der Lohnsituation der ArbeiterInnen in den Produktionsstätten auseinander zu setzen -auch wenn es keine eigenen Fabriken sind, sondern Zulieferbetriebe. Patagonia macht sich beispielsweise im Fair-Wage Network stark. Allerdings ist noch sehr unklar, inwiefern die Initiative des Fair Wage Networks tatsächliche Fortschritte bringen wird. Steht das Netzwerk doch noch sehr am Anfang und muss zunächst die Hürde der Entwicklung angemessener Errechnungsmechanismen in punkto Living Wage/Existenzlohn nehmen.

Auch die Beispiele von Marken wie Adidas, die seit Jahren auf die Bremse treten, wenn es um eine Erhöhung der Löhne geht, zeigen, dass Beitritte in solche Initiativen nicht per se Verbesserung bedeuten und die Standards der einzelnen MSI´s sehr variieren. Die Bemühungen von Adidas, die Arbeitsbedingungen der ArbeiterInnen in ihren Zulieferbetrieben zu verbessern, stagnieren. Skandalfälle aus Fabriken sind weiterhin keine Seltenheit. Teilweise verweigert Adidas im Gegensatz zu seinen Marktkonkurrenten Ausgleichszahlen, wie gerade wieder ein Fall in Indonesien zeigt. Adidas stellt ja neben Sportbekleidung inzwischen auch viele Produkte für den Outdoorbereich her.

Ein Runder Tisch zwischen der Asiatischen Grundlohn -Kampagne (Asia Floorwage Campaign Alliance – AFWA) und der EOG im Herbst 2011 schuf Verständnis unter den Outdoorherstellern für die Wichtigkeit eines existenzsichernden Lohns. Aber es wurden auch Widerstände seitens der Industrie deutlich was die Anerkennung der Notwendigkeit eines Lohns angeht, der die Kostendeckung von Bedürfnissen des Lebenspartners und zwei Kindern einschließt. Unter anderem wurde das große Defizit erkannt, keine konkreten Daten über die Lohnkostenanteile in der Produktion zu haben.

Vor kurzem startete ein Pilotprojekt der Fair Wear Foundation gemeinsam mit der European Outdoorgroup (EOG). Ziel ist es, für drei hochwertige Produktgruppen die Lohnkostenanteile zu analysieren, um – im nächsten Schritt – auf dieser gesicherten Basis zu versuchen, die Löhne anzuheben und sich an einen existenzsichernden Lohn anzunähern.


Outdoor-Test: Was wären sinnvolle nächste Schritte in der Outdoorbranche?

Kirsten Clodius: Wenn es um Selbstverpflichtungen geht, hat sich viel getan in der Outdoorbranche, die meisten Unternehmen zeigen Bereitschaft, sich mit der Problematik von Arbeitsrechtsverletzungen und den viel zu geringen Löhnen bei der Herstellung ihrer Produkte auseinanderzusetzen. Aber wenn es um konkrete Verbesserungen geht, kann noch kaum jemand etwas vorweisen. Dort muss es endlich sichtbare Verbesserungen geben!
Wie bereits s.o. erwähnt, halten wir die Einleitung von Pilotprojekten zur schrittweisen Anhebung von Löhnen für sehr sinnvoll. Die Begleitung dabei durch eine MSI und das Miteinbeziehen aller Beteiligten – auch der ArbeiterInnen, ist für uns dabei selbstverständlich.


Outdoor-Test: Was planen Sie als Organisation in diesem Bereich?

Kirsten Clodius: Für uns ist die Durchsetzungskraft der sozialen Komponente nachhaltigen Wirtschaftens eine klar definierte Zielsetzung des Unternehmens: Ein verbindlicher Verhaltenskodex ist entscheidend für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Zulieferbetrieben.
Derzeit werten wir eine Unternehmensbefragung aus, um die Profile, die wir seit 2009 in regelmäßigen Abständen erstellen, zu aktualisieren. In einem Bündnis der Kampagne für Saubere Kleidung veröffentlichen wir diese im November 2012 und beleuchten die unternehmerische Sozialverantwortung von ca. 20 international tätigen Outdoor-Unternehmen hinsichtlich ihrer sozialen Nachhaltigkeit. Untersucht werden dabei Kriterien wie Transparenz, Verhaltenskodex, Kodexumsetzung, Monitoring und Verifizierung. Der Fokus der Studie liegt auf dem Aspekt der Arbeitsbedingungen in den Zulieferbetrieben. Wir stellen jetzt also basierend auf Eigenangaben der Firmen und zusätzlichen Recherchen die Profile zusammen.

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