statusCHECK Nachhaltigkeit 2013: European Outdoor Group

EOG fokussiert sich auf Projekte, bei denen einzelne Firmen sich schwer tun würden etwas auszurichten

Interview mit Mathias Basedow, EOG

Outdoor-Test: Was sind aktuelle Projekte an denen die EOG arbeitet bzw. in welche sind Sie integriert?

Interview mit Mathias Basedow, EOG

Interview mit Mathias Basedow, EOG

Mathias Basedow: Unsere Bemühungen fokussieren sich vor allem auf Projekte, bei denen einzelne Firmen sich schwer tun würden  etwas auszurichten. Das ist vorwiegend dann der Fall, wenn es um Prozesse in der Lieferkette geht, die nicht direkt von den Marken kontrolliert werden. Drei derzeit sehr zentrale Anliegen, die wir im Auftrag unser Mitglieder koordinieren sind:

1. Reduktion des Einsatzes von bedenklichen Chemikalien bei der Fertigung von Outdoor-Produkten. Obgleich die Lösungen hierzu nicht von den Marken, sondern von Chemikern geboten werden müssen, steht die EOG der Outdoor-Industrie in diesem komplexen und schwierigen Sachverhalt mit Unterstützung und fundierter Orientierungshilfe zur Seite. Wir kooperieren seit einiger Zeit mit der Zero Discharge of Hazardous Chemicals Group (ZDHC) im Bereich des Einsatzes von PFC und sehen nun vor, die Zusammenarbeit auszuweiten, indem sich die EOG als „associate member” der ZDHC anschliesst. Es ist ferner geplant, schnellstmöglich einen fachkundigen Experten einzustellen, um eine Brücke zwischen der Outdoor-Industrie und dem wissenschaftlichen/chemischen Background und der zugehörigen Community zu errichten. Es liegt auf der Hand, dass Alternativen zu Substanzen wie PFC nur von der chemischen Industrie entwickelt werden können. Die EOG erhofft sich aber, durch die Beauftragung eines Nachhaltigkeitsmanagers mit Fachwissen aus der Chemie-/Textilindustrie die Entwicklung besser einschätzen und weiterzubringen zu können. In enger Zusammenarbeit mit einzelnen Markenexperten, der ZDHC und der chemischen Industrie soll das Thema aktiv vorangetrieben werden.

2. Die Fortführung der Indexarbeit zur Messung der ökologischen und sozialen Performance von Produkten entlang der gesamten Lieferkette (der von der Outdoor Industry entwickelte ECO-Index bildete eine wichtige Basis für den HIGG Index der Sustainable Apparel Coalition, der mittlerweile nicht nur von unserer Industrie, sondern auch von der Textil und Sportartikelbranche getragen und weiterentwickelt wird).

3. Traceabilty im Bereich Daune. Qualitativ hochwertige Daune ist ein Rohstoff mit einzigartigen Eigenschaften, dessen Verwendung aber aufgrund der tierischen Herkunft auch eine besondere Verantwortung mit sich bringt.  Da es sich bei Daune um ein Nebenprodukt der Fleischindustrie handelt, sowie Zucht, Herstellung/Verarbeitung und Aufbereitung der Herstellung von Outdoorprodukten vorgelagert sind, ist Traceabilty von Daune ein sehr komplexes Thema. Da die gesamte Lieferkette zudem national/regional extrem unterschiedlich strukturiert ist, sowie sehr viele verschiedene Schritte und Beteiligte involviert sind, sehen wir uns auch hier in der Verantwortung, die Interessen unserer Branche gemeinsam voranzubringen.

 

Outdoor-Test: Warum ist die Traceability gerade bei tierischen Produkten (Merino, Daune, …) so wichtig?

Mathias Basedow: Fleischskandale, sowie Bio und Öko Schwindel und Etiketierungswirrwarr haben uns West-Europäer hier in den letzen Jahren sensibilisiert. Das Wohlergehen von Tieren ist ein emotional besetztes Thema, und die Naturverbundenheit der Outdoorkonsumenten macht das Thema gerade für unseren Sektor relevant. Die Naturverbundenheit trifft auch auf die Firmen in unserer Branche zu: im Grundsatz herrscht hier also Einigkeit, die wiederum hilft, das Thema anzupacken. Gleichzeitig liegt in der emotionellen Besetzung des Themas aber auch eine riesige Herausforderung – da Kompromissbereitschaft, Überprüfung von Realisierbarkeit, Kosten/Nutzen Analysen etc. sich oft nur schwer mit einer emotionalen oder idealistischen Herangehensweise verbinden lassen.

 

Outdoor-Test: Vom 16. bis 18. Oktober wird in Stockholm der erste European Outdoor Summit ausgetragen. Was darf man von dieser Veranstaltung erwarten?

Mathias Basedow: Der European Outdoor Summit legt den Fokus auf die Zukunft der Outdoor Industrie, ist also eine einzigartige Möglichkeit, in nur 3 Tagen strategisch voraus zu denken. Daher überrascht es auch nicht, dass neben der Entwicklung von Handel und Konsumenten auch Nachhaltigkeit ein wichtiges Thema sein wird.

 

Outdoor-Test: Wir vermuten, dass das Thema Nachhaltigkeit in der textilen Produktion für den Großteil der Konsumenten nach wie vor keine Rolle spielt. Wie kann es speziell die Outdoor Branche schaffen, dass Thema dem Konsumenten näher zu bringen?

Mathias Basedow: Ich würde dem nicht zustimmen. Die meisten Outdoor Begeisterten Konsumenten sind meiner Erfahrung nach durchaus an dem Thema interessiert. Wir müssen das Thema aber im Dialog mit allen (Wissenschaft, Regierung, NGO’s, Industrie) angehen, anstatt auf individuell schwarz-weiss Malerei zu setzen. Einseitige Kampagnen, Claims, Labels und Studien von Interessengruppen oder Firmen helfen dem Thema nicht. Wenn Einzelinteressen aller Involvierten hinten angestellt werden und der gesunde Menschenverstand wieder bedient wird, wird das Thema für den modernen Konsumenten interessanter.

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