statusCHECK Nachhaltigkeit 2012 in der Outdoorbranche

Welche Rolle hat das Konzept der Nachhaltigkeit in der Outdoorbranche in den letzten 12 Monaten eingenommen?

statusCHECK Nachhaltigkeit 2012 Outdoorbranche

statusCHECK Nachhaltigkeit 2012 Outdoorbranche

(01.09.2012 / Christian Dohm / Stefan Weikert) Etwas mehr als zwölf Monate ist es her, dass wir unser Themenspecial „Outdoor und Nachhaltigkeit“ veröffentlicht haben. Das Thema Nachhaltigkeit ist in der Outdoor Branche nach wie vor aktuell – was nicht nur auf der OutDoor 2012 in Friedrichshafen festzustellen war. Auch Stiftung Warentest hat sich die Produktionsbedingungen in der Outdoorbranche angeschaut und die Ergebnisse in den Outdoorjackentest im Heft 08/12einfließen lassen. Während Stiftung Warentest den Status Quo konstatiert, hat uns interessiert, was sich in den vergangenen Monaten getan hat.

statusCHECK Nachhaltigkeit – künftig einmal pro Jahr

Um diesen Status in der Outdoor-Branche regelmäßig zu erfassen, haben wir den statusCHECK Nachhaltigkeit initiiert, den wir auf Outdoor-Test künftig einmal jährlich veröffentlichen werden. Wir befragen dazu auf der einen Seite Hersteller von Outdoor-Produkten, auf der anderen Seite aber auch Organisationen wie die bluesign technologies ag, die Christliche Initiative Romero, die European Outdoor Group oder die Fair Wear Foundation.

Nach wie vor ist es als Verbraucher schwer, sich ein authentisches Bild über das Nachhaltigkeitsgebaren seiner „Lieblinsbrand“ zu machen. Wir hoffen, durch unseren statusCHECK ein wenig dazu beitragen zu können. Auf der anderen Seite erwarten wir, auf diese Weise firmenübergreifend Initiativen und Engagement offenlegen und vergleichbar machen zu können.

Hersteller und Initiativen im Fokus

Anders als bei dem ersten Special haben wir uns dazu entschlossen, das Thema „Naturverbrauch bei Outdoor-Aktivitäten“ nicht erneut zu fokussieren. Wir wollen uns in den Checks auf die Outdoor-Hersteller konzentrieren, da aus unserer Sicht der Naturverbrauch bei Outdoor-Aktivitäten einen eigenen Themenkomplex darstellt.

Des Weiteren haben wir unsere Fragen im Gegensatz zum ersten Themenspecial an weit mehr Unternehmen verschickt. Einerseits, weil das Thema bei immer mehr Firmen einen bedeutenden Stellenwert einnimmt, andererseits, weil wir uns davon ein möglichst facettenreiches Bild der jeweiligen Nachhaltigkeitsinitiativen versprechen. Leider haben uns bei weitem nicht alle Unternehmen geantwortet - was ausgesprochen bedauerlich ist!

statusCHECK Nachhaltigkeit – die wichtigsten Ergebnisse

Die wichtigsten Nachhaltigkeitsentwicklungen in der Outdoor-Branche aus unserer Sicht zusammengefasst:

  • Fakt ist, so Tanya Bascombe von der EOCA, dass die EOCA mittlerweile 80 Mitglieder umfasst. Fakt sei aber auch, dass sich auf der OutDoor in Friedrichshafen 900 Aussteller präsentiert haben. Das bedeute, dass weniger als 10 % der Outdoor-Industrie bislang in die brancheneigene Organisation EOCA involviert seien! Tanya Bascombe weist allerdings ausdrücklich daraufhin, dass dies nicht bedeute, dass diese Unternehmen im Bereich der Nachhaltigkeit inaktiv seien.
  • Sophie Koers von der Fair Wear Foundation sieht als einen der Gründe für die massiven Überstunden in den Produktionsstätten der (gesamten) Bekleidungsindustrie den hohen Druck, den Marken auf die Einhaltung der Liefertermine ausüben. Designs würden in der letzten Minute finalisiert, was die Produktionsstätten dazu zwinge, ihre Arbeitskräfte bis zum Limit zu belasten – oder darüber hinaus.
  • Kirsten Clodius, Christliche Initiative Romero, stellt in Ihrer Antwort faire Löhne in den Mittelpunkt: „Vor kurzem startete ein Pilotprojekt der Fair Wear Foundation gemeinsam mit der European Outdoorgroup (EOG). Ziel ist es, für drei hochwertige Produktgruppen die Lohnkostenanteile zu analysieren, um – im nächsten Schritt – auf dieser gesicherten Basis zu versuchen, die Löhne anzuheben und sich an einen existenzsichernden Lohn anzunähern.“
  • Auch wenn schwarz-weiß-Malerei immer problematisch ist, lassen sich die Outdoor-Unternehmen aus unserer Sicht in zwei Gruppen gliedern:
    Die erste Gruppe besteht aus den Unternehmen, die im Segment der hochtechnischen Funktionsbekleidung angesiedelt sind. Hier wird in aller Regel mit synthetischen Stoffen und/oder bedampften/beschichteten Materialien gearbeitet, die in Hinblick auf Wiederverwertbarkeit und Recycling eine Herausforderung darstellen. Unternehmen aus diesem Bereich legen hohen Wert darauf, Produktion und Recycling durch Nachhaltigkeitssiegel – wie z.B. bluesign – zu zertifizieren.Die zweite Gruppe fokussiert ihre Bemühungen in Richtung innovativer Materialien: Durch neue Fertigungsprozesse werden altgediente, natürliche Materialien neu entdeckt: Wolle, Kokos und weitere Fasern erleben in der Branche eine Renaissance. Da das Recycling dieser Stoffe meist sogar auf dem heimischen Kompost erfolgen kann, ist für diese Unternehmen in erster Linie eine Zertifizierung der Anbaubedingungen und Fertigungsprozesse von hoher Wichtigkeit.Übergreifend lässt sich erkennen, dass die Unternehmen das Thema Nachhaltigkeit sehr ernst nehmen und fast jedes Unternehmen entsprechende Anstrengungen verfolgt. Einige Unternehmen fordern konzernübergreifende Abkommen und Initiativen.
  • Vergessen werden sollte nicht die Dualität von Nachhaltigkeitssiegeln. Auf der einen Seite verfolgen diese glaubwürdig das Ziel, Konsumenten bei der nachhaltigen Kaufentscheidung zu unterstützen. Auf der anderen Seite sind sie aber auch immer ein Marketinginstrument. Ähnlich wie das Bio-Siegel im Supermarkt mittlerweile viele Lebensmittel kennzeichnet, finden sich heute Nachhaltigkeitssiegel an zahlreichen Outdoor-Produkten. Diese Entwicklung ist begrüßenswert, das steht außer Frage. Doch täuschen Siegel auch darüber hinweg, dass nachhaltige Produktion ein Prozess ist, der eigentlich kein Ende kennt.

Auch deshalb haben wir den statusCHECK Nachhaltigkeit initiiert, der abseits von Nachhaltigkeitssiegeln und Qualitätsversprechen darüber Aufschluss geben soll, was inhaltlich an Fortschritten erzielt wurde.

statusCHECK Nachhaltigkeit – Interviews

Die Logos führen direkt zu den Antworten der Interviewpartner:

VAUDE Sport GmbH & Co. KG

The North Face Nachhaltigkeit

Schöffel Sportbekleidung

Patagonia

odlo

Mammut

Maloja

Jack Wolfskin

Icebreaker

W. L. Gore & Associates GmbH

Fair Wear Foundation

European Outdoor Conservation Association

Deuter Sport GmbH

Christliche Initiative Romero

Maier Sports Nachhaltigkeit

Bergans of Norway Nachhaltigkeit

Bergans of Norway

European Outdoor Group

European Outdoor Group

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