Outdoor-Aktivitäten im Tiroler Oberland

Outdoor aktiv zu Wasser, zu Lande und in der Luft

Outdoor-Aktivitäten im Tiroler Oberland.   Foto: © Brigitte  Bonder

Outdoor-Aktivitäten im Tiroler Oberland. Foto: © Brigitte Bonder

(Gastbeitrag von Brigitte Bonder) Der Gletscher im Tiroler Oberland ist auch im Sommer ein beliebtes Ausflugsziel. Aber nicht für Skifahrer, denn ein Ganzjahresskigebiet gibt es hier nicht. Bis zum Herbst kurven Biker und Motorradfahrer die Kaunertaler Gletscherstraße entlang. Vom Talort Feichten geht es bis an den Rand des ewigen Eises auf 2.759 Meter hinauf. Genau 29 Kehren und einen Höhenunterschied von 1.500 Meter gilt es hier auf 26 Kilometern zu überwinden.

Diese Herausforderung ist etwas für trainierte Radler und Profis. Für alle anderen bietet das Tiroler Oberland im Dreiländereck von Österreich, Schweiz und Italien aber auch Outdoor-Abenteuer für Einsteiger: Flachlandtiroler erklimmen mit E-Mountainbikes die umliegenden Gipfel oder radeln gemütlich den Inntalweg entlang. Adrenalinschübe garantiert eine Rafting Tour durch die Tösener Schlucht. Die Region von oben erkunden Urlauber bei einem Paragliding-Tandemflug im Süden des Tiroler Oberlands mit Blick bis in die Schweiz und Italien.

E-Biking – Die neuen Räder machen die Berge flach

Das Tiroler  Oberland bietet eine ausgezeichnete Kulisse für Touren mit Mountainbike  und E-Bike.  Foto:  © Brigitte Bonder

Das Tiroler Oberland bietet eine ausgezeichnete Kulisse für Touren mit Mountainbike und E-Bike. Foto: © Brigitte Bonder

„Mit dem Akku müsst ihr sparsam umgehen“, warnt Walter Pöham das deutsche Pärchen und stellt zwei Elektrofahrräder auf den Gehweg. Die Gäste sitzen das erste Mal auf einem E-Mountainbike und strampeln dem geübten Radler zunächst am Inn entlang hinterher. Der Hotelier stammt aus Prutz im nördlichen Tiroler Oberland. In seinem Hotel Post (www.postprutz.at) verleiht er die Pedelecs und zeigt seinen Gästen gern die schönsten Strecken seiner Heimat. Über abgelegene Schotterwege radelt er voran durch die typischen Trockenrasenlandschaften des Inntals.

In Kauns geht es hinauf auf die Almen. Die kleinen Holzhütten sind mit frischem Gras gefüllt, die Glöckchen der braunen Almkühe läuten weithin. Die Anstiege sind teilweise extrem steil, hier darf man nicht aus dem Rhythmus kommen. Denn der Antrieb unterstützt nur, wenn der Radfahrer selbst auch in die Pedale tritt. Im kleinsten Gang bei mittlerer Unterstützung kämpfen sich die Gäste aus dem flachen Norden über 600 Höhenmeter zum Naturparkhaus (www.kaunergrat.at) auf 1.559 Metern Höhe hinauf. „Toll, jetzt hab ich noch einen Balken übrig“, ärgert sich Susanne mit einem Blick auf den Ladezustand ihres Akkus. Doch die Anstrengung hat sich gelohnt, der Ausblick reicht weit in beide Richtungen des Inntals hinein.

Die Ausstellung „3000 Meter vertikal“ im Naturparkhaus erklärt die Welt der Berge vom Tal bis zur Gletscherspitze. Wer in der Region bis jetzt noch keinen echten Steinbock gesehen hat, kann sich hier mit einem ausgestopften Exemplar ablichten lassen. Eine Wanderung durch das Naturdenkmal Piller Moor sollte man ebenfalls nicht verpassen. Gern zeigt der Biologe Ernst Partl, Geschäftsführer des Naturparks Kaunergrat, die fleischfressenden Pflanzen des Moores und erklärt anschaulich die Landschaft.

Naturkulisse des Tiroler Oberlands.    Foto: © Brigitte Bonder" alt="Naturkulisse des Tiroler Oberlands.    Foto: © Brigitte Bonder

Naturkulisse des Tiroler Oberlands. Foto: © Brigitte Bonder" alt="Naturkulisse des Tiroler Oberlands. Foto: © Brigitte Bonder

Im Tiroler Oberland gibt es mittlerweile zahlreiche Verleih- und Akkuwechselstationen für E-Bikes. Eine Übersicht zur Planung einer Tour findet sich beim Tourismusverband Tiroler Oberland unter www.tiroler-oberland.com. Steht eine ausgedehnte Bergtour auf dem Plan, so sollte die Wahl auf ein E-Mountainbike fallen, denn auf Schotterwegen und steilen Trails liegt das Bergrad deutlich besser auf der Straße. Auch im Naturparkhaus Kaunergrat können die Gäste Ihren Fahrradakku tauschen. Von hier führen steile Serpentinen durch die saftigen Almwiesen wieder hinab ins Tal. Mit bis zu 50 km/h schießen die Bikes bergab, jetzt sind Bremsen statt Akkuleistung gefragt.

Für eine gemütliche Radtour bieten sich die Via Claudia Augusta und der Inntalradweg an. Die Via Claudia Augusta ist ein Fernradweg von Donauwörth bis an die Adria, es ist der leichteste Alpenübergang für Radler. Der gut ausgebaute Weg passiert das Tiroler Oberland von Imst im Norden kommend über Prutz und Ried und verlässt die Region bei Nauders über den Reschenpass nach Italien. Der Inntalradweg führt aus der Schweiz an Pfunds, Ried und Prutz vorbei gen Norden bis nach Passau.

E-Bike-Verleih und Karten:

Eine Übersicht der Verleih- und Akkuwechselstationen gibt es unter www.tiroler-oberland.com. Darüber hinaus sind Wander- und Bikekarten des Tourismusverbands Tiroler Oberland in Hotels und in den Touristinformationen erhältlich.

Rafting auf dem Inn – Familienfahrten und Profi-Strecken

Rafting im Tiroler Oberland.  Foto: © H2O Sport & Adventure GmbH

Rafting im Tiroler Oberland. Foto: © H2O Sport & Adventure GmbH

„Festhalten, jetzt kommt die wilde Helga“, schreit Philipp Agerer aufgeregt von hinten und reißt sein Paddel hoch. Die sieben anderen Abenteurer schieben ihre neoprenbedeckten Füße noch fester in die Bodenschlaufen. Das graue Gummiboot mit den bunten Flicken hüpft über die gefährlichste Welle der Tösener Schlucht. Und schon wieder geht der junge Österreicher vorn rechts in hohem Bogen über Bord. Schnaufend streckt er seinen Kopf aus dem sechs Grad kalten Inn heraus, hält sich an den Seilen des Raftingboots fest und flucht in unverständlichem Tirolerisch. Die anderen Paddler lachen. Doch als Philipp Agerer seine Crew im Boot stehend über die Pferdeäpfel schickt, fallen alle in das türkis schimmernde Wasser des Flusses im Tiroler Oberland.

Eine Rafting Tour auf dem Inn ist für jeden etwas. Familien paddeln auf dem gemütlich plätschernden Fluss bis nach Tösens. Mit gut 14 km/h gleitet das Schlauchboot über den Fluss, es müssen nur leichte Stromschnellen überwunden werden. Abenteurern empfiehlt Philipp Agerer von H²O Adventure (www.h20-adventure.at) den Abschnitt der Tösener Schlucht. Der 22-Jährige Outdoor-Experte schippert seit über zwei Jahren auf dem Inn. Er kennt die Wellen, warnt vor der gefährlichen Annelott, der Daniwalze und der großen Prallwand. Die Fahrt fällt unter die Kategorie mittelschwer, je nach Wetter liegt der Schwierigkeitsgrad zwischen 3 und 4. Eine Herausforderung für die Gäste. Und wem Rafting zu langweilig ist, bucht eine Canyoning Tour bei Philipp Agerer.

Paragliding – Das Tiroler Oberland aus der Luft

Beim Paragliding im Tiroler Oberland können Besucher die Region   aus der Vogelperspektive bewundern.    Foto: © ActionPoint Nauders

Beim Paragliding im Tiroler Oberland können Besucher die Region aus der Vogelperspektive bewundern. Foto: © ActionPoint Nauders

Mit dem Jeep geht es den neuen Forstweg von Nauders hinauf zur Abflugstelle. Ein eifrig schaukelnder Windsack ist das Ziel. Hely Klinec vom Action Point (www.action-point.at) breitet den Paragliding Schirm aus und schnallt seinem Mitflieger Daniel die Gurte um. „Das ist eigentlich überhaupt nicht gefährlich“, betont der ehemalige Skiakrobat, setzt seine verspiegelte Sonnenbrille auf und erklärt, was zu tun ist. „Einfach laufen, bis wir fliegen“, grinst er schelmisch und quetscht einen weißen Helm auf seine widerspenstigen, langen Locken. Gefühlte Stunden blickt er auf den Windsack, die richtige Luft zum Starten ist wichtig. Die Spannung direkt am Abgrund steigt. „Lauf!“ gibt er das Kommando, endlich geht es los. Dicht hintereinander rennen die beiden Flieger den Berg hinab. Plötzlich strampeln die Beine in der Luft, der Schirm hat sich mit Luft gefüllt und gleitet dahin. Daniel macht es sich in seinem Sitz gemütlich und genießt den Ausblick. Hely steuert den rotweißen Schirm mit den Leinen Richtung Nauders.

Der kleine Ort sieht von oben aus wie eine Spielzeugwelt. Ganz ruhig schweben die Paraglider mehrere hundert Meter über dem Boden durch die Luft und können über den Reschenpass bis nach Italien schauen. Doch die Ruhe ist von kurzer Dauer. Hely zieht plötzlich stark am rechten Steuerseil. Der Schirm dreht sich rasend schnell um die eigene Achse und er verliert stark an Höhe. Nach wenigen Sekunden des Magendrückens lenkt das Nauderer Urgestein Hely den Schirm wieder ruhig entlang der bewaldeten Hügel und grinst in sich hinein. Diesen Spaß macht er sich gern mit den jüngeren Urlaubern. Ein Adrenalinschub, den man nicht verpassen sollte.

In Nauders, dem südlichsten Ort der Region, liegt die Wetterscheide zwischen den Nord- und Südalpen. Paragliding ist somit in verschiedenen Fluggebieten rund um den Ort möglich, bei nahezu jeder Windrichtung können Tandemflüge mit Gästen durchgeführt werden. In wenigen Sätzen ist die Aktivität erklärt: Anlauf nehmen, bequem sitzend die Aussicht genießen und weich auf dem Airbag-geschützten Sitz landen. Hely Klinec vom ActionPoint fliegt seit über 20 Jahren und war sogar schon mit einer 91-jährigen Touristin in der Luft.

Weiterführende Informatione zur Planung des Outdoor-Urlaubs im Tiroler Oberland gibt es unter anderem auf der Internetseite des Tourismusverbands unter www.tiroleroberland.at.

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