Die richtige Ausrüstung auf Wanderungen

Bei Wanderausrüstung ist weniger oft mehr – ein kleiner Einkaufsberater

Die richtige Ausrüstung auf Wanderungen

Die richtige Ausrüstung auf Wanderungen

Dieser Artikel wird am 15. März 2010 auf der Terrasse geschrieben. Wenn es draußen warm genug zum Schreiben ist, dann zum Wandern wohl erst recht. Die Blasen vom letzten Jahr sind verheilt, die Ausrüstungsprobleme sind vergessen. Die Vorsätze, dies beim nächsten Mal weg zu lassen und jenes mitzunehmen, ebenfalls. Outdoor.de gibt Tipps für die richtige Wanderausrüstung.

Rucksack und Trinken

Das Fassungsvermögen von Rucksäcken wird in Litern angegeben. Für Tagestouren reicht ein 15-20 Liter Modell ohne abnehm- oder verlängerbares Deckelfach vollkommen aus. Beim Einkauf sollte man sich bezüglich der passenden Rückenlänge beraten lassen, damit der Hüftgurt richtig sitzt. Dieser entlastet, an der Wespentaille zugezogen, deutlich die Schultern. Viele Rucksäcke haben vorne oberhalb der Brust noch einen Verbindungsgurt zwischen den Trageschlaufen. Dieser vermindert das Rucksack-Schwingen beim Skifahren. Beim Wandern erschwert er jedoch die Atmung und sollte deshalb offen bleiben. Es ist nicht hilfreich Trinkflaschen etc. außen an den Rucksack zu hängen. Damit bimmelt man wie eine Kuh und die Flasche schlägt auch gern mal an die Felsen – bevor man sie verliert. Ratsamer ist es, öfters eine kurze Trinkpause einzulegen.

Outdoor-Test Tipp: Die Trinkflasche sollte mindestens einen Liter fassen und keinen Schnappverschluss haben, weil dieser sich öffnen kann. In Zeiten der PET-Flasche muss es nicht unbedingt ein teurer Markenartikel sein. Trinksysteme haben sich bewährt für anspruchsvolle Wanderungen, bei denen man viel schwitzt und nicht oft stehenbleiben möchte.

Wäsche – eine kleine Checkliste

  • Ein Regenschutz (Regenjacke mit Kapuze, evtl. Regenhose) gehören selbstverständlich in den Rucksack. Diese sind nämlich auch ein Windschutz, und der Wind bläst oben auch bei Sonnenschein!
  • Mütze oder Stirnband (je nach Haarpracht) sowie dünne Handschuhe runden die oberste Schicht ab.
  • Auch im Hochsommer kann es handschuhkalt sein – besonders wenn Handarbeit gefragt ist, etwa an einem Drahtseil bei entsprechend versicherten Steigen.
  • Ein trockenes Shirt zum Wechseln braucht man auch für Tagestouren.
  • Funktionswäsche ist angenehm, weil das Material den Schweiß von der Haut weg transportiert. Wenn sie aus der natürlichen Wolle des Merinoschafes gefertigt ist, riecht sie auch noch nach Tagen ganz gut.
  • Je nach Dicke und Winddichtigkeit der Wanderhose, ist eine lange Unterhose empfehlenswert.
  • Ob man für Mehrtagestouren einen Hütten- oder einen richtigen Schlafsack braucht, sollte man zuvor recherchieren. Gamaschen sollte nur mitführen, wer länger durch den tiefen Schnee stapft. Im Hochsommer auf dem Gletscher werden meist keine Gamaschen benötigt.
  • Ein größeres Halstuch schützt gegen den Wind, gehört aber auch als Dreieckstuch in die Erste-Hilfe-Ausstattung. Man kann damit z.B. eine verletzte oder gar ausgekugelte Schulter ruhig stellen.
    Manche ältere Semester schwören auf den Angora-Nierengurt. Dieser hält auch feucht noch warm.
  • Ein Handtuch (winzige Outdoor-Handtücher sind saugfähiger, als sie aussehen) braucht man nur dort, wo man auch duschen kann.

Sonnenschutz

Für Sonnenbrillen gibt es hinsichtlich des UV-Schutzes vier Kategorien. Ist nicht mit Schnee zu rechnen, ist eine Sonnenbrille der Kategorie 2-3 ausreichend. Gibt es jedoch größere Schneefelder oder handelt es sich um eine Wanderung am Gletscher, braucht man nicht nur Kategorie 3, sondern auch einen seitlichen Strahlungsschutz. Dieser muss nicht der „supersexy Lederlappen“ an der klassischen Gletscherbrille sein – moderne Sonnenbrillen sind cool ergonomisch geformt. Der seitliche Strahlungsschutz ist wichtig, weil der Schnee auch von unten indirekt strahlt. Strahlungsschäden auf der Netzhaut passieren schnell, man bemerkt sie allerdings erst nach Jahren! Aus diesem Grund sollte in der Gruppe eine Ersatz-Sonnenbrille sein.

Die Sonnencreme sollte auch ohne Schnee mindestens einen Lichtschutzfaktor (LSF) 15 haben. Für die empfindlichen Lippen wird ein Sunblocker als Lippenstift empfohlen. Allen Wanderern, die Kopf und Gesicht zusätzlich vor starker Sonneneinstrahlung schützen möchten, sei eine Schirmmütze ans Herz gelegt.

Orientierung

Wer nur auf markierten Wegen läuft kommt mit einer Karte aus, auf der diese eingezeichnet sind. Der Maßstab sollte 1 : 50000 nicht überschreiten. Doch schon ein Schneeschauer oder ein größeres Schneefeld im Frühjahr kann die Markierungen zunichte machen. In diesem Fall hilft nur noch der geschulte Blick für Steinmänner und Wegspuren.

Zusätzliche Orientierungsmittel wie Kompass, Höhenmesser und GPS helfen nur dem, der auch damit umgehen kann. Für über 30% der Bergrettungseinsätze im Sommer wird Blockierung als Ursache angegeben: Die Betroffenen wissen einfach nicht mehr weiter. Dazu ist es auch wichtig, sich mit Schwierigkeitsbewertungen von Wanderwegen auseinanderzusetzen. Alpenvereine und Bergschulen bieten Kurse an, bei denen Wanderern ihre Orientierung im Gelände und den Umgang mit entsprechenden Hilfsmitteln und Geräten trainieren können. Über die Feinheiten der Tourenplanung wird Outdoor.de im Rahmen dieser Wanderserie informieren.

Notfall

Wer chronisch krank ist und für längere Bergaufenthalte Medikamente mitführt sollte sich vorab informieren, ob diese den extremen Temperaturschwankungen im Rucksack gewachsen sind. In jeder Gruppe sollten zwei Handys mitgeführt werden. Unterwegs ist es empfehlenswert, diese auszuschalten. Nicht nur, weil eine Bergtour keine Sprechstunde ist, sondern auch um zu verhindern, dass der Handy-Akku leer ist wenn er gebraucht wird. Die Netzabdeckung ist je nach alpiner Region schlecht und die automatische Netzsuche verbraucht sehr viel Energie.

Die europäische Notrufnummer lautet 112, über die Rettungsleitzentrale wird man an die richtige Stelle vermittelt. Sich die Bergwachtnummern der verschiedenen Alpenländer ins Handy einzugeben und unter Stress die richtige mit der richtigen Vorwahl zu wählen, dauert am Ende doch länger, als sich von der Rettungsleitstelle verbinden zu lassen. Der Euronotruf ist auch ohne PIN und ohne Guthaben möglich. Dann einfach die gestellten Fragen beantworten. Es ist hilfreich ungefähr zu wissen, wo man ist. Ansonsten gilt für die Notfallausrüstung das gleiche wie für die Orientierungsmittel: Alles, was über die Versorgung kleiner Wunden und ein bekömmliches Schmerzmittel (z.B. Ibuprofen 200) hinaus geht, erfordert Ausbildung.

Ein paar Riegel oder Butterbrote gehören auch in den Rucksack. Da sind die Geschmäcker ja bekanntlich verschieden. Vermieden werden sollte nur, was durstig macht (Gesalzenes, Gepökeltes) und was Sauereien im Rucksack verursacht (ungeschützte Bananen, Schokolade bei 35° im Schatten).

Wie auf der Piste passieren die meisten Unfälle am Nachmittag. Ein Schelm, wer hier einen Zusammenhang zum Alkoholausschank auf Hütten vermutet. Eine Fingerhutladung Schnaps auf dem Gipfel dagegen ist eher ein Ritual und darf als solches unter Naturschutz gestellt werden. Apropos Natur: Bestimmungsbüchlein für Pflanzen und Tiere sind überflüssig, erhöhen aber den Erlebniswert. Schöne Touren wünscht Tobias Bach.

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