Der South West Coast Path: Route & Unterkünfte

Teil 2: Outdoor unterwegs von St. Ives bis Falmouth

Für die Festlegung einer Route braucht man im Prinzip nur zwei Faktoren: verfügbare Zeit und Startpunkt der Reise. Alles dazwischen und selbst das Ende ergibt sich ganz von alleine. Genauso ging es auch mir bei den Vorbereitungen zu meiner Tour auf dem South West Coast Path. Verfügbare Zeit (3 Wochen) und Reisezeitraum (Mai) standen schnell fest. Den Startpunkt bestimmte ich so, dass ich ihn möglichst einfach mit Bus oder Bahn erreichen konnte. Und natürlich auch, dass die folgende Strecke abwechslungsreich und gut in 3 Wochen zu schaffen sein würde. Die Wahl fiel dabei auf das beschauliche Künstlerstädtchen St. Ives – auch als cornische Riviera bekannt. Von hier aus sollte meine Wandertour starten. Entweder bis Plymouth, wenn ich 15 Tage am Stück durchlaufen würde, mit einer durchschnittlichen Strecke von 20 Kilometern pro Tag. Oder bis Falmouth bei etwa nur der Hälfte der Strecke, aber mit mehr Zeit für Stopps und Pausen. Die Entscheidung dafür fiel erst, als ich mitten auf dem Coastpath unterwegs war.

Route: Etappen des South West Coast Path

Tabelle mit den einzelnen Etappen von Danielas Wanderung auf dem South West Coast Path.   Grafik: Daniela Klütsch

Tabelle mit den einzelnen Etappen von Danielas Wanderung auf dem South West Coast Path. Grafik: Daniela Klütsch

Wie eingangs schon beschrieben, veränderten sich Ziel und Zwischenziele meiner Route ständig. Ausschlaggebend waren dafür meist ausgebuchte Unterkünfte an Wochenenden und die spontane Lust auf Ruhepausen an einem festen Ort. Zwar hatte ich vorher Unterkünfte für jeden Ort auf der Strecke rausgesucht, diese aber nicht fest vorher reserviert. Ungünstig an Wochenenden, wie ich jetzt weiß. Denn der Brite macht selbst gerne Urlaub, vor allem in Cornwall. Mein ständiger Begleiter auf dieser Reise daher: ein Streckenverlauf der Route mit Kilometer-Angaben und Buslinien zum eventuellen Überspringen einer Tour. (zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken)

Download: Alle Etappen des South West Coast Path (pdf)

Unterkunft: Die schönsten Schlafplätze in Cornwall

Die Art der Unterkünfte variieren von Hostel bis B&B (vor allem preislich), doch haben sie eins immer gemeinsam: die britische Gastfreundschaft. Egal wo ich einkehrte, wurde ich familiär und auch etwas neugierig empfangen. Ein gutes Gefühl nach einer langen Wanderschaft auf dem manchmal einsamen Küstenweg. Besonders empfehlenswert: die Jugendherbergen der Youth Hostel Association (YHA). Preislich unschlagbar, immer sauber und gepflegt (meine Erfahrung), angepasst an die Bedürfnisse von Outdoor-Aktiven (Wäscheraum, Fahrradbox, Selbstversorger-Küche) und erstaunlich gutes Essen. Eine Mitgliedschaft kostet ab £9.95. Neben den Tipps aus meinem Reiseführer “Südengland” von Ralf Nestmeyer, habe ich mir die Unterkünfte der YHA und weitere Hostels aus dem Internet gesucht.

Download: Alle Unterkünfte des South West Coast Path (pdf)

Highlights auf dem South West Coast Path

In der Greevor Tin Mine wurde noch bis vor 20 Jahren Zinn und  Kupfer abgebaut.   Foto: Daniela Klütsch

In der Greevor Tin Mine wurde noch bis vor 20 Jahren Zinn und Kupfer abgebaut. Foto: Daniela Klütsch

Nach einem Tag zum Eingewöhnen in St. Ives, starte ich meine erste Etappe von 11 Kilometern bis Zennor. Das hört sich im zunächst recht wenig an. Man muss jedoch beachten, dass man auf dem felsigen Abschnitt, der sich noch etwa 67 Kilometer bis Penzance zieht, selten schneller als 3 km/h laufen kann. Die regelmäßigen Meereinmündungen zwingen den Wanderer zu einem ständigen Auf- und Abstieg der Felsen. Kein Gedanke an Durchstarten auf gerader Fläche. Ganz besonders froh bin ich darüber, dass ich meine Walkingstöcke mit eingepackt habe. Dann fällt der Aufstieg – oder sollte ich das Klettern sagen? – wesentlich leichter. Wenn sich dann noch schlechtes Wetter in Form von durchgängigem Nieselregen dazu mischt, muss man sich schon schöne Gedanken machen.

Die Aussicht auf Land´s End (dem westlichsten Punkt Englands) und Cornwalls schönste Bucht in Porthcurno lassen mich hoffen. Aber auch die mystische Landschaft auf dem Weg nach St. Just am zweiten Tag, lenkt mich für eine ganze Weile von den Strapazen des Wanderns ab. Schon von Weitem erkenne ich hohe Schornsteine im Nebel, die wie Zahnstocher aus dem Boden ragen. Mit jedem Meter wird das Bild davon klarer, der Schauer der mir den Rücken runter fährt jedoch nicht. Als ich etwa 2 Stunden nach meiner ersten Entdeckung aus der Ferne bei den Schornsteinen angekommen bin, erkenne ich was es damit auf sich hat: es ist die Greevor Tin Mine, UNESCO-Welterbe-Stätte.

Wie eine Geisterstadt liegt sie vor mir, die alte Zinn- und Kupfermine. Als wären die Arbeiter nur kurz im Urlaub, liegen die alten Hallen, Kanäle und Schornsteine da. Nach dem Höhepunkt des Zinn- und Kupferabbaus im Zuge der Industrialisierung im 19. Jahrhundert, wurde hier noch bis vor 20 Jahren gearbeitet. Nach steigender Konkurrenz auf dem Weltmarkt, vor allem durch Afrika, liegen heute fast alle Minen in Cornwall brach. Jegliches Trübsal verdrängend, breitet sich kurz nach meinem Verlassen der „Geisterstadt“ die Sonne aus. Und der Weg wird flacher, endlich. Zu mindest bis Cape Cornwall. Von da an darf ich wieder bergauf steigen, bevor ich nach satten 8 Stunden die Jugendherberge in St. Just erreiche. Es wird wieder hügelig.

Die  Jugendherberge Penzance der Youth Hostel Association (YHA) bietet  Wanderern viel Gemütlichkeit und Komfort um Energien für den weiteren  Weg zu tanken.    Foto: Daniela Klütsch

Die Jugendherberge Penzance der Youth Hostel Association (YHA) bietet Wanderern viel Gemütlichkeit und Komfort um Energien für den weiteren Weg zu tanken. Foto: Daniela Klütsch

Erst als ich den Vorort „Moushole“ kurz vor Penzance erreiche, laufe ich wieder auf Augenhöhe mit dem Meer. Davor wird es zunehmend städtischer. Nach den letzten vier Tagen abgetaucht in der Natur, trifft es mich fast etwas überraschend. Der Lärm der Autos, die vielen Menschen, der harte Asphalt… es ist schon erstaunlich wie schnell ich mich an die Natur gewöhnt habe und wie schnell ich hier wieder weg will. Die Jugendherberge in Penzance bietet jedoch einen idealen Zufluchtsort, etwas abgelegen von der Stadt. In dem umgebauten, gregorianischen Herrenhaus fühle ich mich mehr wie in einem feinen Hotel als in einer Jugendherberge. Im Flur läuft man auf weichem Teppich und in der Lounge kann man in weichen Ohrensesseln zwischen Büchern und Kamin relaxen. So viel Komfort lasse ich mir gerne gefallen und bleibe noch einen Tag länger um Energie zu tanken.
Bis zu meinem geplanten Endziel habe ich noch ungefähr 96 Kilometer vor mir. Also etwas mehr als die Hälfte der gesamten Strecke. Um die Wanderung sinnvoll auf die restlichen Tage zu verteilen, gönne ich mir einen weiteren Tag Pause in the Lizard und Coverack, bis ich das Tourenziel in Falmouth erreiche. Doch vorher erlebe ich die wahrscheinlich schönste Strecke auf dem Coast Path in Cornwall und werde auch noch umsonst über die Gillan Bucht geschippert… Die Rede ist von der Strecke ab Coverack bis Helford. An diesem wieder sehr sonnigen Tag starte ich gut erholt und gestärkt aus dem ruhigen Fischerörtchen Coverack. Vorher noch schnell eingedeckt mit Obst und Pastys (cornisches Nationalgericht), kann es jetzt losgehen auf den folgenden 21 Kilometern.

Ein traumhafter Blick in die Gillan Bucht. Foto: Daniela Klütsch

Ein traumhafter Blick in die Gillan Bucht. Foto: Daniela Klütsch

Die erste Stunde laufe ich ganz flach am Meer entlang bis es am Strand von Godrevy Cove wieder bergan ins Landesinnere geht. Die Büsche sind hier so hoch, dass ich den Einstieg beim ersten Anlauf verpasse und knöcheltief im Matsch stehe… Gott sei Dank strahlt die Sonne wieder ausgiebig, so dass die Schuhe schnell wieder trocknen. Kurz nach der Anhöhe hinter dem idyllischen Dorf Rosenithon, treffe ich in Porthallow ein, dem Halbzeit-Ort des South West Coast Path, wenn man von dem eigentlichen Start in Minehead rechnet. Für mich nur ein kurzer Pausenort, denn viel Strecke hab ich noch nicht zurückgelegt. Ich erhöhe mein Tempo, laufe stramm und konzertiere mich auf den Weg. Als ich jedoch um die Ecke des Nare Points biege, breitet sich vor mir ein traumhafter Blick in die Gillan Bucht aus. Auf türkisfarbenen Wasser schippern kleine bis mittelgroße Segelboote, Angler rudern vom morgendlichen Fischen zurück und ein junges Paar sucht per Boot nach einer romantischen, kleinen Bucht. Ich bin begeistert!

Nur sehe ich hier ein Problem: wie komme ich über das Wasser? Schwimmen mit 18 kg auf dem Rücken wäre sehr ungünstig und laufen kann ich nur über festen Untergrund. Es bleibt mir nichts anderes übrig als dem Tipp aus dem Reiseführer zu folgen und nach einer kleinen Fähre zu suchen. Die „Fähre“ stellt sich als Angler heraus, der gerade anlegen wollte, mich aber auf meine Nachfrage hin gerne höchst persönlich über die Bucht fährt. Was für ein Service! In britischen „five minutes“ rudert er erneut raus zu seinem Motorboot und holt mich bei einem erhöhten Steg ab. Und so komme ich über das Wasser, ganz umsonst. Denn als Lohn reicht dem netten Briten lediglich mein glückliches Lächeln und tausendfacher Dank.

Freundliche Fischer helfen Wanderern gerne dabei, mit ihnen im Fischerboot die Gillan Bucht zu überqueren.   Foto: Daniela Klütsch

Freundliche Fischer helfen Wanderern gerne dabei, mit ihnen im Fischerboot die Gillan Bucht zu überqueren. Foto: Daniela Klütsch

In bester Laune setze ich den Weg fort an dem hübschen Örtchen St. Anthony vorbei, das den Hafen, neben dem Kiosk und den vielen Booten, mit einer beeindruckenden Kirche säumt. Auch hier umrande ich wieder den nördlichsten Zipfel der Bucht und biege in die weitaus größere Helford Passage ein. Der Blick auf die Bucht ist aber nach wie vor traumhaft. Während ich durch ein von alten Bäumen und Bärlauch bewachsenes Wäldchen laufe, blitz zwischendurch immer wieder das türkisblaue Wasser auf. Dachte ich anfangs noch St. Ives sei die cornische Riviera, so fühle ich mich hier wie in St. Tropez. Nach sechs Stunden Laufen und ein bis zwei Pausen erreiche ich am Nachmittag nun das Örtchen Helford. Vor dem Zentrum liegt sehr einladend im Schatten das Riverside Café. Dort lasse ich den Tag bei einem Crab-Sandwich und einer Tasse Tee ausklingen. Gerade weil nur noch eine Etappe bis zum Ende dieser Tour vor mir liegt, speichere ich die beeindruckenden Bilder fest ab und werde mich noch lange an sie erinnern…

Daniela wird auf Outdoor-Test über den South West Coast Path in folgenden drei Themenblöcken berichten:
Teil 1: Allgemeine Informationen
Teil 2: Route und Unterkünfte
Teil 3: Tipps und Sehenswürdigkeiten

Daniela Klütsch

Daniela Klütsch

In ihrer Freizeit schreibt Daniela in ihrem Blog Landlinien hauptsächlich über Wege, die sie selbst bereist hat, wie eben den South West Coast Path. Dabei ist sie besonders fasziniert von den Wegen, die uns unsere Vorgänger hinterlassen haben. Egal ob zu Land, Luft oder Wasser. Frei nach dem Motto „nur wer alte Spuren entdeckt, kann neue hinterlassen“. Auf der Suche nach alten Spuren, macht sie immer wieder auf die Reise, am liebsten nur mit Rucksack, Wanderschuhen und Kamera bestückt.

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1 Kommentar

  1. Moin Daniela,
    Dein wunderschöner Bericht, Dankeschön dafür!, hat mich in meinem Ziel für 2014 bestärkt: CORNWALL. “Sie ist fasziniert von Wegen, die uns unsere Vorgänger hinterlassenhaben … ” steht im Abschluss. Wohl der bekannteste unserer Vor-gänger,obwohl derkaum gegangen ist, war unser GOETHE. Der hat uns den “Goetheweg München – Venedig” hinterlassen, den ich 200g ge-gangen bin.
    Dir weiterhin “on tour” und auch ansonsten alles Gute, schöne Reisen und immer eine glückliche Heimkehr – wonach die Ideen für die nächste Tourlangsam aber stetig zu”laufen” beginnen.
    Gruß aus ‘em Saarländche – (Wander-) Hans